Oida

Oida

Christian Polito über Zeitverschwendung.

„Du Christian, mein Ex hat da zwei Weidezelte rumliegen – die schenkt er euch“, sprach Steffis Freundin aus München am Telefon.

2 x 600 Euro – Glück dürf ma auch mal haben.

Ja gut, ich musste einen Hänger organisieren und insgesamt über 700 km fahren, aber mei, immer noch super.

Ja gut, diese Strecke mit 80 km/h dauerte dann doch a bissal und der Stau in Linz war auch oar…, aber hey, es ging um zwei Weidezelte.

Ja gut, auf die vielen roten Ampeln in München hatte ich vergessen und das Einladen der vielen Teile war nicht ganz unproblematisch, aber wir waren jetzt wenigstens schon einen Schritt weiter.

Ja gut, ich hatte das zeit- und aufwandsmäßig alles total unterschätzt, aber wir waren jetzt stolze Besitzer von zwei Weidezelten für die Schafe und hatten uns 1.200 Euro gespart.
Ja gut, minus zwölf Stunden Zeit und Sprit, aber trotzdem noch super.

Zwei Tage später standen wir mit dem mehr als hilfsbereiten Hans auf der Weide und überlegten ob der vielen Einzelteile, wie wir anfangen sollten, bis Steffi eine Videoaufbauanleitung aus dem Ärmel zauberte.

Ja gut, die übrigen Teile passten irgendwie nicht ganz für ein zweites Zelt, aber das wird man sehen, wenn das erste fertig ist, dachten wir uns.

Also trugen wir den fertig montierten Dachteil schnell zur Weide, um den Rest dort aufzubauen.

Ja gut, zwischenzeitlich mussten wir es noch mal abbauen, weil das Dach breiter war als der Weg zur Weide, aber Fehler können ja passieren.

30 Minuten später, bei einem eigentlichen Fußweg von drei Minuten stand das Zelt endlich.

Ja gut, es fehlten noch die Planen.

Also Planen geholt und… jetzt war nichts mehr gut.

Wir gingen jede noch so dämliche Möglichkeit durch, wie das mit den Planen funktionieren könnte, bis wir einsehen mussten, dass die verdammten Dachplanen fehlten.

Die Dachplanen… DIE DACHPLANEN, VERSTEHST!

Jede depperte Seitenwand, jede fehlende Stange oder Schraube hätte sich leicht ersetzen lassen, aber nein, es musste ausgerechnet das wichtigste Teil vom ganzen Zelt sein, ze fix!

Hans und Steffi sahen das recht emotionslos, was eh super is, aber die hatten ja auch nicht die Organisation und die lustige 12-Stunden-an-einem-Stück-Städterundfahrt gmacht, nur um danach festzustellen, dass man als Entrümpler missbraucht wurde und nun statt einem 1.200-Euro-Plus ein 120-Euro-Minus auf dem Konto stand.

Ich bin bei sowas überhaupt nicht emotionslos, weil das ganz einfach oar… is.

An den Ex in München gibt’s ein facettenreiches Oida! Wega meinen Emotionen warats gwesen…

Nön Kolumne

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