Entrümpelung

Kapitel 3 – Die Entrümpelung

Luft machen und entrümpeln – nach dem Motto „Alles muss raus!“ begann der unvorstellbarste Arbeitsmarathon.

Nach der Arbeit ist vor der Arbeit

Es dauerte ungefähr 2 Wochen und wir hatten den ersten winzigen Schritt geschafft – die Edermühle konnte wieder Atmen.

10 Meter hohe Fichten welche man ja auch gleich direkt ins Mauerwerk hätte pflanzen können wurden gefällt, 6 Meter lange Erdschlangen wurden aus den Regenrinnen entfernt und gefühlte 3 Tonnen gemeiner Efeu (im wahrsten Sinne des Wortes) sowie wilder Wein wurden von den Außenmauern entfernt.

Fotogalerie KahlschlagDie Edermühle bekam erstmals seit 6 Jahren wieder Luft und wir hörten unsere alte Dame förmlich erleichtert aufatmen – ein erstes Erfolgserlebnis!

Keine Zeit für Pausen, es war Oktober 2014 und bis Dezember 2014 wollten wir einziehen! Unrealistisch?! Ach was! Der Glaube versetzt bekanntlich Berge! Blöd nur, dass er keine Sanierungen beschleunigt, aber das sagt einem ja wieder mal kein Mensch. August 2015 zogen wir dann übrigens auf die Baustelle, aber eins nach dem anderen…

Eine Containerflatrate wäre nicht schlecht!

Wir krempelten die Ärmel hoch, spuckten kräftig in die Hände und begannen die Entrümpelung. Man glaubt ja ums verrecken nicht wie viel Sachen auf so einem Hof Platz haben! Steffi übernahm das Ruder, denn ich war völlig überfordert und wusste einfach nicht wo wir überhaupt anfangen sollten. Überall waren Dinge die weg mussten – im Erdgeschoss, im ersten Stock, in den Gängen, im Stall, im Schober, auf dem ersten Dachboden, auf dem zweiten Dachboden, auf dem dritten Dachboden, auf dem vierten Dachboden, im Schuppen, oben, unten, hinten, vorne, links, rechts – einfach überall!!!

Steffis Plan war simpel aber wahnsinnig effektiv, also sortierten wir im ersten Gang einfach grob zwischen aufbewahren und 100% wegschmeißen. Verschimmelte Möbel und Kleidung, alte Medikamente, nicht mehr verwendbare Kartons, ach im Endeffekt fast alles was lose im Haus war musste leider entsorgt werden.

Nach dem ersten Wochenende mit 14 Stunden Schwerstarbeit pro Tag, hatten wir wirklich unglaublich viel geschafft, aber irgendetwas war nicht ganz rund.

„Ze fix! Des gibt’s doch jetzt gar nicht Steffi! Des sieht doch eigentlich genau so aus wie vorher, oder?!“ sagte ich zu Steffi und erhoffte mir aufmunternde Worte. Stattdessen bekam ich ein seufzendes „Ja… Ich weiß…“ von ihr zurück.

Kleiner Flashback :

„Du Steffi, was meinst, wie viel Container werd‘ ma da zum entsorgen brauchen?“

„Mei, ich glaub schon so 3-4 oder?!“

„Naja, insgesamt vielleicht, also mit Bauschutt dann, wir nehmen ja eh die großen“

„Na Schmarrn Christian! 3-4 nur fürs Glumpats!“

Steffi hatte wenigsten den Hauch einer Ahnung, ich gab halt einfach ne „Experten“- Einschätzung ab und lag völlig überraschend total daneben wie sich bald herausstellen sollte. Das Ganze sah aus wie der Beginn eines Marathons, es fühlte sich an wie der Beginn eines Marathons, aber einen Marathon hatten wir doch gar nicht bestellt! Wo kam denn der jetzt auf ein mal her?! Ja mei, wenn er jetzt schon a mal da is der Marathon, dann machma’n halt den Marathon, bleibt uns ja eh nix anderes übrig, war das wenig begeisternde Fazit.

Wie viel Freunde hamma den jetzt? Na, ned die von Facebook sondern die echten!

Obwohl selbst unsere Zeigefinger ’nen Muskelkater hatten, wählten und tippten wir uns die Finger wund um Helfer für die Entrümpelung zu finden. Es gab tolle Überraschungen und herbe Enttäuschungen – 8 Wochen später hatten wir übrigens keine privaten Facebook Accounts mehr. Nicht, dass uns nicht bewusst war, dass man Facebook-„Freunde“ prinzipiell auch in Facebook-„Bananen“ o. ä. umbenennen könnte, aber wenn man sowieso schon unter 100 Facebook-Bananen hat und dann gerade einmal 10 positive Rückmeldungen bekommt ist das schon sehr dünn. Sagenhafte 2 Personen kamen dann auch wirklich um mit an zu packen.

Egal wir hatten ja zum Glück auch ein Leben außerhalb von Facebook und da wurden wir wirklich positiv überrascht! Danke auch hier noch ein mal für jede helfende Hand! Ihr wart einfach nur großartig und wir sind Euch unendlich dankbar!

Ach ja, hier geht es übrigens zur Facebookseite der Edermühle – sind wir nicht alle ein bisschen Banane?

Schaut langsam leer aus – und jetzt?!

So langsam sah man Fortschritte – großartig! Während der Entrümpelung gab es sehr viele interessante Dinge wie uralte Schreibmaschinen, eine verschollene Kiste voller antiker Briefmarken und Dokumenten (nein Microsoft Aktien sind nicht antik), 100 Jahre alte Hofwerkzeuge und vieles mehr zu entdecken. Der Berg „erst mal behalten“ war im Endeffekt also auch in der Einheit „Container“ zu bemessen.

Überwiegend waren es jedoch gefühlte 2 Millionen Tonnen Gerümpel und Müll, zu denen noch alte und verschimmelte Teppiche, Gardienen und vieles mehr hinzu kommen sollten – vom Bauschutt und anderen Überraschungen will ich hier noch gar nicht anfangen.

Langsam aber sicher wurde uns bewusst welches Fass wir mit der Edermühle aufgemacht hatten und ahnten zum Glück immer noch nicht was noch alles auf uns zu kommen würde…

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