Kauf der Edermühle

Kapitel 2 – Der Kauf

Wir beginnen mit dem Tag der Vertragsunterzeichnung. Eigentlich ein sehr freudiger Tag, denn was sollte denn jetzt noch schief gehen? Alle Unklarheiten waren beseitigt, alle Ungereimtheiten waren geklärt und alle Versuche uns Dinge zu verschweigen oder schön zu reden waren aufgedeckt worden – Vertrag unterzeichnen und feiern stand auf dem Programm.

Nun war ja im Vorfeld so einiges ans Tageslicht gekommen und zum Glück von uns vereitelt worden.

Das ging von einer gegen über uns verschwiegenen Dienstbarkeit auf einem hinteren Teil des Grundstückes (Der Nachbar hat dort das Recht das Grundstück zu begehen), über den Versuch nur einen Teil des Anwesens an uns zu verkaufen und den Rest dann „überraschend“ an jemand anderen zu verpachten oder zu verschachern, bis hin zu baulichen Mängeln, vor die einfach völlig amateurhaft Gerümpel gestellt worden war in der Hoffnung, dass sie kein Käufer entdecken würde – um nur einige wenige Punkte zu erwähnen.

Dass das Heizsystem nicht das neueste war wussten wir, aber laut Aussage des Maklers und des Verkäufers wurde auch in diesem Jahr schon geheizt, das heißt es lief zumindest schon mal.

Am Tag der Vertragsunterzeichnung baten wir dennoch den örtlichen Installateur zur Edermühle zu kommen, um mit uns zu schauen ob und wo man einen Schwedenofen an das bestehende Heizsystem anbringen könnte – „wegen dem Kostenvoranschlag warrats“, sagte ich ihm noch freudig am Telefon.

Unser Freund Gerald, ein Immobilienmakler (ja, Immobilienmakler und Freund in einem zusammenhängenden Kontext, Du hast das schon richtig gelesen), war übrigens mit von der Partie um uns zu unterstützen.

Wie bitte?!

Nach einer kurzen Begrüßung von Makler, Verkäufer und dessen Bruder, dem der Hof zur Hälfte gehörte traf auch schon der Installateur ein und meinte sogleich „Ah d‘ Edermühle, die kenn ma guat, da dreh ma im Hirbst imma olle Leitungen ab“.

Was?! Wie bitte was?! „Ähm… Entschuldigung, aber wie kann denn dieses Jahr schon geheizt worden sein, wenn ihr im Herbst immer die Leitungen abdreht?!“ fragte ich mit einem sehr unguten Bauchgefühl nach.

„Na, na, des moch ma schon seit 6 Jahren so – do werd nix gheizt.“

WAS?! WIE BITTE WAS?!

Ruhig bleiben und mal schauen, was uns der Gesichtsausdruck des Verkäufers und des Maklers verrät – joa, sehen aus wie 2 Sauschratzen die man grad beim klauen erwischt hat, nur dass es hier nicht um 2 Kaugummis sondern unsere Existenz geht – passt.

„Hmmm… hmmm… Ja ähm, und was kostet uns das jetzt, also wenn wir das so herrichten lassen, dass wieder geheizt werden kann?“ fragte ich den Installateur.

„Mid oda ohne Wormwassa…?“

„Ja ne, also schon mit Warmwasser und so, naja eben so dass wir drinnen wohnen können, also eigentlich so wie es zum Kauf angeboten wurde“

„Jo do miast ma zerst amoi den Kamin sanieren da hamma bei fünf dausnd, dunn die Leitungen olle naus – des stemmts es eh selbst, da spoats aich nu wos – und dann no hiadamoi dudomoi diri wari duri, so 40.000 schätz i“

„Zloty oder was?“, wollte ich zuerst fragen, aber die Frage verkniff ich mir, denn der Installateur konnte ja schließlich nichts dafür und hatte uns mit seiner Auskunft soeben den Allerwertesten gerettet.

Betretenes Schweigen beherrschte die Edermühle bis ich versuchte die Stimmung etwas auf zu lockern indem ich ein lockeres „Ich denke Steffi, Gerald und ich gehn dann erst mal was Essen und ’n Bier trinken bis der Notar kommt!“ in den Raum warf.

Ohne den Makler und den Verkäufer eines Blickes zu würdigen, die beiden hatten seit der Ankunft des ihnen sehr vertrauten Installateurs wohl ihre Stimmen verloren, verließen wir die Edermühle und gingen zum nahe gelegenen Wirtn.
Nur schaun, nicht kaufn – Buch zur SanierungKaufen oder nicht und wenn ja zu welchem Preis?

So wütend hatte ich Steffi selten erlebt! Wenn ich mich recht erinnere schnaubte sie wie ein Stier – zwar ein kleiner süßer Stier, aber ein Stier.

Ich gebe zu, auch ich musste meine Schnappatmung unterdrücken.

„70.000 – mehr kriegt der nicht!“ eröffnete Steffi unsere Diskussion, „ach was 60.000!“ fuhr sie ohne Luft zu holen fort, wobei sich ihre Stimme förmlich überschlug. Man war die wütend!

Gerald versuchte die Lage etwas zu beruhigen, was ihm immerhin zweckmäßig auch irgendwie gelang. Wir diskutierten lange hin und her und waren schließlich bereit 80.000 € anstatt der 120.000 € zu bieten – genau der Betrag weniger der uns nach der Lüge mit der angeblich tadellos funktionierenden Heizung sauber um die Ohren geflogen wäre.

Nach einem guten Essen und beruhigten Nerven machten wir uns auf zurück in die Edermühle zu fahren.

Entschuldigens bitte vielmals meine Direktheit, aber wollens mich jetzt verarschen?!

Dort warteten bereits Makler, Verkäufer mit Bruder und Notar auf uns und wir gingen in die Küche, wo die Verträge bereit lagen.

So ruhig als irgend möglich klärte ich die Anwesenden Herren darüber auf, dass wir nun wohl etwas zu besprechen hätten, worauf hin doch tatsächlich versucht wurde mir eine Verwunderung über diesen Umstand vor zu spielen.

„Nun ja, wir haben hier auf ein Haus mit funktionierender Heizung geboten, was ja nun offensichtlich nicht der Fall ist oder?“ versuchte ich zu „erklären“ und kam mir dabei vor, als müsste ich erklären warum 1+1= 2 ist.

„Sie ham doch gsehn, dasd Heizung oid is“ antwortete der Makler voller Inbrunst.

Ok, ok nochmal das 1+1= 2 Spiel dachte ich mir und versuchte weiter ruhig zu bleiben.

„Seit wann ist alt gleich kaputt?! Entweder funktioniert etwas oder es ist kaputt, das ist doch ganz einfach. Und dass die Heizung funktioniert sagten Sie ja, als Sie meinten, dass dieses Jahr schon eingeheizt wurde.“

Was jetzt kommt ist bei den Top 10 der dümmsten Ausreden dabei – versprochen, denn was ich als völlig ernst gemeinte Antwort bekam war folgendes:

„Na, na, da hams uns missverstanden, was mia gmeint ham wor, des ma im Innenhof a Faia gmocht hom, verstehns, des wor mit heizn gmeint!“

2 Möglichkeiten schossen mir durch den Kopf – körperliche Gewalt, die ich eigentlich doch eher ablehne oder aufstehen und gehen – ich sah wie Steffi exakt dasselbe überlegte.

„Entschuldigens bitte vielmals meine Direktheit, aber wollens mich jetzt verarschen? Entweder mia diskutiern des jetzt hier auf einem gewissen Niveau aus – und zwar über eine massive Preisreduktion – oder wir brechen das ganze jetzt ab, weil unsere Zeit müssma echt nicht verscheißn, die is nämlich einiges Wert, ich weiß ja nicht wie des bei Ihnen aussieht.“ schoss es einfach so aus mir heraus.

Aufgeben ist keine Option!

Schweigen und betretene Blicke unserer Gegner, Feuer und absolute Entschlossenheit in Steffis und meinen Augen.

„Ja was habt ihr euch da denn jetzt vorgestellt“ durchbrach der Verkäufer, auf fast hochdeutsch, etwas verunsichert das Schweigen.

Was nun folgte waren fast geschlagene 2 Stunden knallharte Preisverhandlung!

Mal ging ich mit Steffi und Gerald vor die Tür, mal mit dem Makler, dann wieder mit dem Verkäufer.

Auf der anderen Seite dasselbe Spiel – mal Verkäufer mit Makler, dann Bruder mit Steffi, dann ich mit Makler, dann wieder Verkäufer mit Bruder.

Zwischendurch immer wieder eine „offene Diskussionsrunde“ mit allen Beteiligten – Mann der Lanz Markus vom ZDF hätte eine Traumeinschaltquote mit uns gehabt.

Steffi und ich wollten unbedingt diesen Hof, aber wir wollten uns auch nicht verarschen lassen.

Die Verkäufer und der Makler wollten unbedingt verkaufen, hatten aber leider nicht die Idioten vor sich die sie sich erhofft hatten.

Es war mehr als eine schware Partie…

Die Edermühle wird unser neues zu Hause!

Nach einem fast nicht enden wollenden Preis- und Emotionspoker ging es nur noch um 3.000 Euro mehr oder weniger.

Jetzt oder nie – „drauf gschissn“ wie wir in Bayern sagen.

Wir einigten uns in einem mehr als auf der Kippe stehenden Finale auf 98.000 € von ursprünglich gebotenen 120.000 € – das Argument des schlichtenden Notars, dass wir ja nicht die kompletten 40.000 € einer Neuinstallation des Hauses abziehen können, leuchtete uns natürlich ein und wir waren es ja nicht, die hier jemanden über den Tisch ziehen wollten.

Die Verträge wurden nach Ausbesserung der Kaufsumme unterschrieben und die Edermühle sollte unser neues zu Hause werden – doch bis dahin sollte es noch ein langer und sehr steiniger Weg werden.

Ach ja, der ursprüngliche Preis 6 Jahre zuvor, sollte gerüchteweise 350.000 € betragen haben. 2 Jahre später waren es dann nachweislich noch 260.000 € und als wir uns die Edermühle ansahen wurden noch 188.000 € dafür aufgerufen.

Naja, Haus und Hof verfielen natürlich von Jahr zu Jahr immer mehr und schwerwiegender und wir sind uns sicher, dass die Edermühle einen weiteren Winter nicht wirklich überstanden hätte.

Wie viel Zeit, Tränen, Schweiß, Nerven und vor allem Geld wir noch in unser neues zu Hause stecken sollten, davon ahnten wir zu diesem Zeitpunkt zum Glück noch nichts…

P.S. Wäre es nach dem Bruder des Verkäufers gegangen, so wäre die Edermühle wohl zerfallen – wie viele Höfe deren Besitzer den Preispoker einfach zu sehr auf die Spitze treiben wollten.

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