Herr lass Hirn vom Himmel regnen

Herr lass Hirn vom Himmel regnen

Wir haben ja bei unseren Pfauen 4 Hähne und eine Henne.

Der „Männerüberschuss“ ist ansich bei Pfauen im Gegensatz zu Hühnern kein Problem, sagt man zumindest.

Ich sehe mich schon in 2 bis 3 Jahren, wenn die Pfauenhähne geschlechtsreif sind zerkratzt zwischen den kämpfenden Bestien liegen, während ich Steffi „FAKE NEWS! FAKE NEWS!“ zuschreie und mir diesmal endgültig schwöre nicht immer alles zu glauben was im Internet steht.

Wie auch immer, wir waren trotzdem auf der Suche nach 1-3 Pfauenhennen und ich entdeckte auf willhaben (eine österreichische Plattform) ein gutes Angebot in unserer „Nähe“.

„Nähe“ in Anfürungsstrichen, denn mitten im Nirgendwo ist fast alles in der „Nähe“ worunter dann eben auch 1 1/2 Stunden Fahrt fallen.

Over and out, ich fahr dann mal los

Am Telefon klang der Verkäufer sympathisch, sein Verkaufsgrund war nachvollziehbar, die Pfauen lebten in Freiheit genau wie in der Edermühle und er bat mich an zu rufen, wenn ich losfahre um die Tiere transportfertig zu machen.

Als ich los fuhr gab ich wie ausgemacht Bescheid und freute mich auf unsere Neuzugänge. Ich war zwar etwas entäuscht, dass unsere Pfaue anscheinend doch keine riesen Ausnahme sind, wenn auch andere auf Zuruf zu ihren Besitzern kommen, aber schön, dass die dann wenigstens auch in der Edermühle beheimatet sein werden.

Der will nur spielen

Angekommen bei der angegeben Adresse empfing mich ein 2 Meter hoher, blickdichter Zaun mit dem einladendem Schild „Hier wache ich!“ und daneben ein Foto eines altdeutschen Schäferhundes.

Naja, mal schaun was passiert, wenn ich klingel. Klingel?! Leider nein, leider garnicht. Fehlanzeige.

Mein zaghaftes „Hallo…? Jemand da….?“ wurde von einem wüsten, tiefen und lautstarkem Gebell abgewürgt worauf ein kurzes „Is gut jetzt!“ von der anderen Seite des Zaunes zu hören war und sich auch schon das Tor öffnete.

Ich wollte schon zum Sprint ansetzen, aber abgesehen davon, dass sowas bei agressiven Hunden generell sehr unklug ist, war das Tor schon offen und ich war als potentielle Beute schon von „Hans“ fixiert.

„Kann… also ich… Kann ich eh reinkommen…?“ stammelte ich.

Der Klassiker unter den Sprüchen kurz bevor ein Hund Menschen anfällt folgte zugleich „Jaja, des passt schon, der tut nix, der will nur spielen“.

Spielen am Arsch! Der Schäfer fixierte mich jede Sekunde und ich bildete mir ein, dass der Hund seine Gedanken auf mich übertrug, kein Schmarrn!

Wenn ich mich recht errinere sagte er Dinge wie „Wenn keiner schaut fress ich dich Digga“, „Boa DU, DU gehst ja garnicht man!“ und „Eine falsche Bewegung und du bist voll am Arsch Alter!“. Es war glaub ich ein jugendlicher halbstarker, weswegen man ihm seinen Ghettoslang verzeihen muss.

Inserat des Jahres!

Nachdem mich der Hund schon so freundlich empfing, konnte es ja nur besser werden – oder auch nicht…

„Des wird nix! Kannst wieder fahrn! Da musst wann anders kommen!“ keifte es mir von links entgegen.

„Peter? Hamm mir telefoniert“ fragte ich irritiert den kautzigen alten Mann, der nur ein „Na, dahinten is da Peter, aber des wird nix, kannst glei wieder fahrn! Da musst wann anders herkommen!“ entegen schnautzte.

Unter den hungrigen und wachsamen Augen von „Hans“ dem Schäferhund ging ich vorsichtig zu Peter, der auf eine Horde Pfauen auf dem Dach schaute, als säße dort eine Herde Einhörner die es einzufangen gilt.

Wir begrüßten uns kurz und ich fragte wo das Problem ist.

„Des wird nix! Kannst wieder fahrn! Da musst wann anders herkommen!“ krakelte es aus dem Hintergrund.

Peter erklärte mir, dass er seit 2 Stunden versuchte die Pfauen ein zu fangen, es aber nicht klappe.

Jetzt halt Dich fest und schnall Dich an, denn der Grund warum es nicht klappte ist schnell erklärt – die Pfauen lebten ohne menschlichen Bezug völlig wild, ohne Stall und unter den hungrigen Augen von Hans dem Schäferhund auf dem Grundstück.

Nur damit Du Dir die Situation besser vorstellen kannst – Peter versuchte völlig verwilderte Pfauen zu verkaufen ohne jeglichen Plan, wie er diese an den Käufer übergeben kann. Das wäre in etwa so, als wenn ich Enten auf e-bay inseriere, mich dann mit dem potentiellen Käufer an den Chiemsee stelle, um eine Gruppe Wildenten in der Mitte vom See an zu starren, während ich ernsthaft überlege, wie ich die jetzt in ’ne Transportkiste bekomme.

Ich bin mir nicht sicher, aber heut zu Tage nennt man das glaube ich einen klassischen „Facepalm“ (Das musst Du jetzt selbst googeln.)

Der Papagei im Körper eines alten Mannes!

Da die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt versuchten wir es völlig sinnloserweise trotzdem.

„Des wird nix! Kannst wieder fahrn! Da musst wann anders herkommen!“ grakehlte es im Hintergrund, während wir die Pfauen versuchten mit Futter vom Dach zu locken.

Kennst Du diese Situationen, wenn Leute ihren Senf dazu geben müssen, obwohl sie mit einer Situation ÜBERHAUPT G A R N I C H T S zu tun haben?! Gut, wir verstehen uns.

Wir versuchten 2-3 Dinge auf die ich nicht näher eingehen möchte, weil diese Versuche optimistisch gesehen eine Erfolgschance von ca. 0,001% hatten.

Jeder dieser Versuche wurde von einem „Des wird nix! Kannst wieder fahrn! Da musst wann anders herkommen!“ von dem Papagei im Körper eines alten Mannes kommentiert.

„Maaaaann Du! Halt doch bitte einfach mal die ***! Wie wärs mal mit helfen! Neeeeein, Du **** kannst ja nur rumsudern! Du bist echt ein *! Zef fix! Und überhaupt bin ich fast ****** 2 Stunden gefahren! Und wann zum Teufel ist wann anders!!!!!“ dachte ich mir insgeheim, was von Hans dem Schäferhund mit einem Knurren beantwortet wurde.

Geh leck! Der Hund kann nicht nur Gedanken übertragen, sondern auch noch lesen!

Mein Kopfkino stellte sich vor, wie toll es jetzt wäre, wenn Peter die Fähigkeiten von Hans hätte (er könnte die Pfaue telepathisch vom Dach holen), Hans so lieb und naiv wie Peter wäre (er würde mich nicht mehr fressen wollen), und der alte Mann so stumm wie die Pfauen wären. Ich verwarf diesen Gedanken aber wieder, als mir klar wurde, dass ich dieser Logik nach zufolge dann mit Pfauen nach Hause fahren würde die mich jeden Morgen mit „Des wird nix! Kannst wieder fahrn! Da musst wann anders herkommen!“ begrüßen würden…

Expertenstatus!

Ich ärgerte mich schon ziemlich darüber fast 2 Stunden für nichts gefahren zu sein, denn dass das einfangen wilder Pfauen nicht funktioniert, hätte ich dem „Verkäufer“ auch vorher sagen können, aber gut jeder macht mal Fehler.

Doch der Verkäufer war sich nicht zu schade noch einen drauf zu setzen.

Ich bin ja nun wirklich kein Experte was Pfauen anbelangt, aber ich kann inzwischen junge Hähne zwischen jungen Hennen unterscheiden, was wirklich keine Wissenschaft ist.

Die Hähne haben braune Schwungfedern am Ende der Flügel und sind am Rücken gesprengelt, während Hennen „glatt“ sind. Hört sich komplizert an, aber wenn man den Unterschied einmal gesehen hat, dann ist er recht eindeutig. Auch den Unterschied zwischen 1, 2 und 3 jährigen Tieren sieht man relativ einfach.

Lange Rede kurzer Sinn, der Verkäufer wollte mir erzählen, dass die jüngeren Tiere alles Hennen sind und gab als Begründung dafür an, dass die 2 Jährigen Hähne ja schließlich längere Federn haben.

Damit Du Dir die Situation wieder besser vorstellen kannst – Peter versuchte mir Hähne als Hennen zu verkaufen mit der Begründung, dass die älteren Hähne ja einen viel längeren Schweif haben als die jüngeren. Das wäre in etwa so, als ob ich 2 Stiere auf e-bay inseriere, und dem potientellen Käufer dann trotz fehlenden Euters erkläre, dass der kleinere Stier eine Kuh ist, weil er ja kleiner als der andere Stier ist.

Nachdem sich Peter mit dieser Aktion endgültig den Expertenstatus verdient hatte, verabschiedete ich mich ohne „Hennen“ höflich und Hans der Schäferhund schien richtig traurig zu sein, dass ich keine hektischen Bewegungen gemacht hatte, so dass er sich mal wieder am lebendem Objekt austoben durfte.

Trauma?!

Ich stieg ins Auto und bekam noch mindestens 2 Tage „Des wird nix! Kannst wieder fahrn! Da musst wann anders herkommen!“ nicht aus meinem Kopf.

Inzwischen ist es sogar so schlimm, dass mir in jeglichen Situationen diese Sätze in den Sinn kommen:

„Christian, kannst Du bitte den Müll raus bringen?“

„Des wird nix! Kannst wieder fahrn! Da musst wann anders herkommen!“

Habicht im Anflug
„Des wird nix! Kannst wieder fahrn! Da musst wann anders herkommen!“

„Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte!“
„Des wird nix! Kannst wieder fahrn! Da musst wann anders herkommen!“

Naja, auch diese Phase wird vorüber gehen 😉

Nön Kolumne

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