Kune Kune Ferkel

Natur Pur

Christian Polito über Witterungs- und andere Verhältnisse.

Freud und Leid liegen bekanntlich ja sehr nah beinand. Die Freude war, als sich der Frühling, abgesehen vom überwiegend traumhaftem Kaiserwetter, durch einen neuen Wurf Ferkel ankündigte.

Kleine Ferkel übertreffen bei Weitem sogar die momentan sehr beliebten Einhörner um Längen, man muss sich schon ordentlich zamreißen, um nicht in eine verzückte Babysprache inklusive einem depperten „Guchigu“ zu verfallen. Bei Frauen kann das unter Umständen ja noch irgendwie niedlich klingen, bei 90 Kilo auf 1,76 cm verteilt und garniert mit einem Bart eher nicht.

Wurscht.

Das Leid kommt fast immer mit, weil des bei Schweinen ja so is, dass die ansonsten doch sehr intelligenten Tiere ab und zu nicht die Feinfühligsten sind, wenn es konkret um Feinmotorik geht. Das ist vermutlich auch der Grund, warum du noch nie ein Schwein Ballet hast tanzen sehen – naja zumindest einer der Gründe.

So manch fehlgeleiteter Aktivist, der auch gern mal Landwirteanzeigt, weil die Kühe auf der Weide „schmutzig“ sind – echt passiert,kein Schmäh – muss jetzt ganz stark sein. Jetzt schlägt nämlich dieNatur in all ihrer nicht biomarketing-gerechten Natürlichkeit zu: Bei soeinem natürlich gehaltenen Freilandschwein kann es leider vorkommen,dass Ferkel aus dem Wurf von der eigenen Mutter, ob der oben genanntenfehlenden Feinmotorik, erdrückt werden.

Freilich kann man das Risiko reduzieren, indem die, dannwortwörtlich, arme Sau in einem Kastenstand fixiert wird, wo sie sichgenau 0 bewegen kann, aber erstens sieht natürlich und artgerecht andersaus und zweitens is einfach oasch, verstehst.

Die meisten Betriebe müssen das allerdings so machen, um die maximaleFerkelrendite raus zu holen, weil sonst gibts beim Hofer eineRevolution – Billigfleisch für alle! Und so wird einem als Ex-Städtermal wieder vor Augen geführt, dass Natürlichkeit nicht gleichbedeutendmit der Postkartenidylle aus der Werbung is – wega der Natur waratsgwesen…

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