Kapitel 9

Kapitel 9 – Der Innenausbau

Handwerker – es gibt solche und solche

Die Handwerkerehre

Der Innenausbau für sich allein wäre schon ein Buch wert, aber wir versuchen das trotzdem mal ganz kompakt auf ein Kapitel zu reduzieren.

Inzwischen hatten wir den 1.8.2015 und Steffi und ich waren auf die Baustelle ohne Wasser und Heizung gezogen. Naja wenigstens hatten wir Internet und konnten so arbeiten. Katzenwäsche gab’s am Bach, eine Pipibox für grobe Notfälle stand bereit und damit wir beide nicht total verlotterten gab es eine Bauherrenauffangstation, welche bei Steffis Mama und ihrem Lebensgefährten Wolfgang eingerichtet wurde. Die beiden wohnten doch tatsächlich 1 Monat vor uns im Waldviertel und zwar direkt ums Eck.

Nachdem Du Dich ja jetzt ein kleines bisschen in unseren nicht enden wollende Sanierungsmarathon mit all seinen Höhen und Tiefen einlesen konntest, fragst Du Dich wahrscheinlich, ob es überhaupt noch anständige Handwerker auf dieser Welt gibt. Wir geben zu, auch wir zweifelten mehr als ein mal an unserer Auffassung von ordentlicher Arbeit bzw. stellten wir uns tatsächlich die Frage, ob wir vielleicht unbemerkt auf einem falschen Planeten gelandet wären, wo schlechte Arbeit als oberstes Ziel gilt. Nein, wir waren auf dem Planeten Erde und nein wir haben keine ungewöhnliche Auffassung von ordentlicher Arbeit.

Unser Küchenbauer, der örtliche Fliesenleger, der Elektriker, 2 örtliche Schreiner die einsprangen, wenn unser Generalunternehmer einen Engpass hatte, ein Installateur und noch viele andere Handwerker zeigten uns, dass Handwerk einfach eine Kunst ist die gelernt sein will. Natürlich können auch da Fehler passieren, die Frage ist aber vielmehr was für Fehler und vor allem wie damit umgegangen wird.

Es zeigte sich aber zum Glück, dass es sie tatsächlich noch gibt – Die Handwerkerehre.

Die Mauer ist ja auch schräg

Natürlich gibt es aber eben auch Menschen die bestenfalls als Hobbyheimwerker taugen und ihre „Kunst“ trotzdem als Handwerk anpreisen wollen und dafür sogar auch die Preise dieser Kunst verlangen.

Bei unserer Toilette wurde z. B. aus Budgetgründen ein Wandaufbau auf die Mauer gemacht. Das geht schneller und ist somit günstiger als die alte und völlig schräge Wand neu zu verputzen. Als ich morgens nach dem Rechten sah, traute ich meinen Augen kaum. Die Wand war vollkommen schief und mit schief meine ich 30 cm Unterschied von links nach rechts, auf eine Länge von vielleicht 90 Zentimetern. Ich musste unweigerlich lachen, denn ich war äußerst gespannt auf die Antwort, warum die Wand so schräg war.

Die Antwort war ebenso simpel wie genial „Ja die Mauer dahinter ist ja auch schräg“. Ja bist du deppert! Ich wusste auf ein mal mehr als ein Handwerker, nämlich dass ich durch einen WandAUFbau genau solche Sachen korrigieren konnte. Vielmehr war es in unserem Fall der einzige Sinn und Zweck dieses WandAUFbaus schräge Mauern kostengünstig zu korrigieren. „Ja dann muss i des aber ois wieda obireißa“ sagte der Handwerker völlig verdutzt, wohl darauf hoffend, dass ihm ein „Ach so! Na wenn dass so ist, dann lassen wir den Wandaufbau natürlich schräg stehen.“ entgegnet wird.

Ich musste ihn leider enttäuschen und zähneknirschend machte er sich ans Werk, nur um mir 2 Stunden später eine erneut schräge Wand zu präsentieren – diesmal in die andere Richtung schräg. Jetzt weiß man nicht ob man lachen oder weinen soll. Nach dem 3ten Versuch, dem Tipp eine Wasserwaage zu benutzen und der Klarheit, dass wir dieses Spiel solange machen würden bis die Wand gerade ist, klappte es dann. Beim Waschraum waren wir nicht vor Ort und haben jetzt eine schräge Wand, was mir als „So haben Sie mehr Platz“ verkauft werden sollte – man einigte sich dann anderweitig.

Dies und das

Sachen schief oder schräg machen ist offensichtlich eine tief verwurzelte Leidenschaft bei so manchem „Handwerker“ – die Anführungsstriche sind mir sehr wichtig, weil ich nochmals betonen möchte, dass ein richtiger Handwerker tatsächlich eine Handwerkerehre besitzt und nicht einmal auf die Idee kommen würde so etwas abliefern zu wollen.

Naja, jedenfalls habe ich bei entsprechenden Gewerken irgendwann aufgehört lange zu erklären und mir Unsinn an zu hören und es kam nur noch ein knappes aber höfliches „Schief, Wasserwaage, bitte noch mal – tut mir leid“ von mir, was dann durchaus Wirkung zeigte.

Da wir natürlich nicht täglich auf der Baustelle sein konnten kamen immer wieder die kuriosesten Dinge zu Stande. Duscharmaturen exakt auf Ellbogenhöhe montiert, weil das ja so schön zwirbelt wenn man den richtigen Punkt trifft. Schräge WCs und WCs wo man den Deckel nicht hochklappen konnte weil sie zu nahe am Spülkasten montiert worden waren. Küchenoberlichter die aufgrund ihrer von langer Hand geplanten Position Schatten statt Licht warfen. Trotzdem versuchte man uns bis zum Schluss einzureden, dass die sicher keinen Schatten werfen werden nur um dann wieder alles neu zu machen – wegen dem Schatten warats gwesen. Zugemauerte Steckdosen und als Highlight in dieser Rubrik eine zusammengeschusterte Steckdosenleiste aus nicht weniger als 14, ja 14 Steckdosen. Schräge Türen, Türen die von alleine zufielen und eine Balkontüre die sich nicht öffnen ließ. Heizungen die schräg montiert wurden und Heizungsanschlussrohre die in einem 45 Grad Winkel in den Boden ragten.

Es gab eigentlich fast nichts, was es nicht gab. Wenn Du Dich jetzt fragst, ob wir keinen Bauleiter hatten – na klar hatten wir den und das nützt Dir genau was? Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser ist die Devise, die wir als Fazit der letzten 2 Jahre mitnehmen können. Wenn Du Dich nicht wenigstens ein bisschen auskennst, scheut so mancher Goldgräber auf einer Baustelle keineswegs davor zurück Dir das Blaue vom Himmel zu erzählen, ohne Scham und ohne mit der Wimper zu zucken.

Obacht

Bei folgenden Aussagen von Handwerkern, solltest Du prinzipiell einmal hellhörig werden:

  1. Kein Problem, des mach ma mit Bauschaum
  2. Na, na, des hamma scho immer so gmacht
  3. Des kann ned sein, davon hamma no nie was ghört
  4. Machens sich keine Sorgen, mir wissn was ma da tun
  5. Die Norm gibts nicht
  6. Ah geh, so genau müssens das nicht nehmen, des verspielt sich
  7. Des kriag ma scho

Pure Freude

Doch im Dezember 2015, ein Jahr später als geplant, waren die wichtigsten Dinge dann letztendlich geschafft. Die erste eigene warme Dusche in der Edermühle war ein Highlight, dass Steffi und ich wohl nie vergessen werden. Eines ist jedenfalls klar, wie niemals zuvor wissen Steffi und ich ursprünglich selbstverständliche Dinge wie fließend warmes Wasser, eine damit verbundene Dusche oder sogar eine Badewanne so sehr zu schätzen wie heute. Von Sachen wie einer Waschmaschine, einem Kühlschrank, einem Waschbecken, einer Küche usw. ganz zu schweigen. Ein trockenes und warmes zu Hause in dem alles funktioniert ist einfach etwas ganz, ganz tolles.

Auch wenn noch so einiges vor uns liegt, wir vieles erlebt haben, gutes wie schlechtes bis hin zu wirklichen Katastrophen, wir bereuen keinen Tag uns auf dieses Abenteuer Leben eingelassen zu haben.

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