Nön Artikel: Unfall Lois

Kapitel 8 – Das neue Dach

Der Titel ist uns sicher!

Nachdem wir die Dachhölle erfolgreich gemeistert hatten, sowie etliche Physiotherapiestunden später konnte die Arbeit der Profis beginnen.

Dach abdecken stand als erstes auf dem Plan und der Containerdantler überlegte ernsthaft eine Statue zu unseren Ehren auf seiner inzwischen neu gepflasterten Firmeneinfahrt zu errichten. Den Titel „Kunde des Jahres“ konnte man uns jetzt offiziell nicht mehr streitig machen – welch ein glorreicher Sieg. Zum Korkenknallen war allerdings keine Zeit, denn erst einmal wollten die neu bestellten Container ja gefüllt werden.

Steffi und ich arbeiteten das erste mal in so luftiger Höhe, aber es war weit weniger schlimm als befürchtet. Gut, im Gegensatz zu den Profis die wie Gebirgsgämse auf dem Dach herumsprangen, machten wir eine Figur wie ein Frosch den man auf eine 60 Grad steile Glasplatte gesetzt hat, aber Aussehen ist ja bekanntlich nicht alles. Das Dach abdecken selbst ging überraschend schnell von statten und der Ausblick vom Dachstuhl unserer Edermühle am ersten sonnigen Tag des Jahres war einfach nur atemberaubend schön.

Die scheißen sich nix!

Alles lief leiwand bis Marko mit seinen gerade mal 18 Lenzen eine Holzlatte abschlug, welche ihm postwendend wieder entgegen schwang. Geistesgegenwärtig fing Marko sie mit seiner Hand ab, was angesichts des raustehenden Nagels am Ende der Latte, der sich nun in seiner Hand befand recht schmerzhaft aussah. Vielmehr hatte der Nagel die komplette Handfläche durchdrungen. Während ich noch kreidebleich überlegte wie schnell der Notarzt wohl hier sein könnte, kam von Marko nur ein kindlich schmunzelndes „Boa, des hätt ins Auge gehn können Oida“ während er sich den Nagel aus seiner blutigen Hand zog.

Nach dem 5ten „Geh schmarrn des is nix“ von Marko sowie einem „Ja mei, der Marko gell“ von seinen Kollegen, gab ich es auf einen Arzt rufen zu wollen. „Wow, echt zache Hund am Bau!“  dachte ich mir und fuhr 15 Minuten später mit Marko ins Krankenhaus, weil inzwischen sein kompletter Arm gelähmt war – Sehne durchtrennt. Na Bravo, das fängt ja mal wieder gut an. Mit einem Mann weniger an Board ging es weiter.

Hinterholz 8

Als nächstes wurde der alte Dachstuhl, der wirklich fertig aussah, professionell in 3 Abschnitte zersägt und jedes einzelne Teil mit Hilfe eines Krans in unseren Garten gehievt. Naja Garten ist vielleicht etwas blumig ausgedrückt, denn inzwischen sah es hier inklusive Edermühle ohne Dach wie Dresden 45 aus. Gerald, der mal wieder zum anpacken dabei war meinte im Nachhinein nur „Da dacht i wirklich es könnts des ois schleifen“. Zu Deutsch heißt das so viel wie, dass der Abriss des Gebäudes nicht weit entfernt war.

Wir hatten auch tatsächlich einen original „Hinterholz 8“ Moment – wenn Du den Film nicht kennst, dann schau ihn Dir an, aber am besten erst nachdem Du gebaut oder saniert hast. Jedenfalls stand zur Diskussion ob wir den alten Kamin stehen lassen oder „schleifen“. Es gab sowohl Vor- als auch Nachteile, aber diese Entscheidung wurde uns abgenommen, als der betreffende Teil vom Dachstuhl leicht angehoben wurde. Kurzerhand entschied sich der Kamin zum Selbstmord und kippte zur Seite. Somit war der Kamin und die Entscheidung gefallen.

Durch solche Kleinigkeiten liesen wir uns aber nicht lange aufhalten, denn es war endlich Premierenzeit angesagt. Seit Monaten des Abrisses und der Zerstörung wurde in der Edermühle das erste mal wieder etwas aufgebaut – der Installateur zählte nicht, denn das ging bestenfalls als schlechtes Kunstwerk durch, was sowieso wieder komplett rauskam wie wir zwischenzeitlich erfuhren.

Die Truppe unter dem Kommando des Poliers Hias war mehr als fleißig und beantwortete uns auch alle noch so dummen Fragen. Im Gegenzug erledigten wir alle uns angeschafften Arbeiten zur vollsten Zufriedenheit der Mannschaft. Und schneller als gedacht stand ein prächtiger neuer Dachstuhl auf unserer Edermühle – ein toller Anblick!

Dieser Baustellenhumor

Steffi und ich bekamen 2 Tage frei und fuhren in unsere Wohnung in Oberösterreich um zu arbeiten – wirklich frei hatten wir inzwischen seit über einem halben Jahr nicht mehr. Der Wetterbericht sagte für den Abend leichte Gewitter voraus, was uns tierisch nervös machte. Unser Haus stand ja quasi oben ohne da und auch wenn wir wussten, dass es Planen gab um alles ab zu decken so wusste man ja nie wie sich ein Gewitter so entwickelt – eine Plane ist halt einfach kein Dach.

Kurz darauf bekamen wir einen Anruf von der Baustelle „Da Hias is vom Dach gfallen!“.

„Nicht sehr witzig“ antwortete ich trocken, denn an den manchmal makaberen Baustellenhumor hatte ich mich inzwischen schon gewöhnt.

„Na, da Hias is vom Dach gfallen!“ ertönte es erneut vom anderen Ende der Leitung.

„Wenn das jetzt kein Witz ist, dann…“

„Des is koa Witz ned, obigsegelt issa!“.

„Ja…ja und jetzt? Wie gehts ihm? Ich…Ich mein lebta eh noch oder?“.

„Jo na eh, im Spital issa halt jetzt und mia kena ned weida macha…“

Ein Bauverzug war gerade meine wenigste Sorge. Hias lebte, das war das wichtigste, aber was war passiert? Der Versuch mit einer Plane den Dachstuhl zu schützen kombiniert mit einer Windböe und ein aus unerklärlichen Gründen fehlendes Gerüst im Innenhof führten zu einem 6 Meter tiefen Sturz auf Waschbetonplatten. Einen Rettungshubschrauber und Zeitungsartikel später kannte uns jeder in der Umgebung als „Die mit dem Dach“. Eine unangenehme Berühmtheit, vergleichbar mit der eines Z Promis im Dschungelcamp, aber immerhin waren wir nicht „Die mit dem toten Polier“.

Eine Reha später und Hias war so gut wie neu. Jetzt wussten wir auch warum man eine nageldurchschlagene und blutverschmierte Hand so witzig findet – wega dem kloanen Kratza und dem bleichen Bauherren warats.

Bist du deppert, de Hund san zach!

Wir müssen weiter machen

Das leichte Unwetter dieser einen Nacht hatte für unsere Edermühle keine weiteren Folgen und es sollte strahlender Sonnenschein den Rest des Dachbaus begleiten.

Auch wenn Steffi und ich ab sofort mit einem sehr mulmigen Gefühl aufs Dach stiegen um unsere Arbeiten zu erledigen, so mussten wir das einfach durchziehen – ich für meinen Teil hätte autoritäre Schwierigkeiten mit dem Titel „Prinzessin“ bekommen, da bin ich mir sicher.

Ohne Tote und Verletzte, Fleischwunden zählen nicht wie Du weißt, wurde das Dach letztendlich fertig gestellt – dachten wir zumindest.

Die Edermühle war jetzt wieder dicht. Naja mehr oder weniger, denn die Mauerbalken waren noch nicht untermauert, was natürlich die halbe Mausebevölkerung des Waldviertels zu uns einlud.

Damit Du Dir das vorstellen kannst – bis in den Herbst hinein, das ist die Zeit wo Nager und ähnlich possierliche Tierchen sich ihr Winterquartier suchen, klafften teils 20 Zentimeter tiefe und mehrere Meter Breite Lücken unter den Mauerbalken hervor. Diese lagen lediglich auf kleinen Holzpackerln auf, was nur die Funktion hatte den Dachstuhl im Wasser aus zu richten, sprich damit er gerade ist.

Wir sollten noch bis zum frühen Winter warten müssen, bis die ausstehenden Arbeiten endlich erledigt wurden, nicht bevor jedoch festgestellt wurde, dass der Firma ein klitzekleiner und fast unbedeutender Fehler unterlaufen war. Ich meine irren ist menschlich und Dinge vergessen wir alle mal, aber dann gibt es da Sachen die sollten vermieden werden.

Den Fehler bei unserem Dach könnte man zwischen einem Klo ohne Spülung und einem Auto ohne Bremsen einstufen – die komplette Dachkonstruktion war leider nicht mit dem Haus verbunden worden.

Die paar Schräubchen, die Steffi und ich als Laien für die Befestigung hielten, hatten eine eher untergeordnete Funktion. Wäre eine entsprechende Schneelast oder ein Sturm gekommen, dann gute Nacht.

Inzwischen wurde das Dach aber saniert. Eine Sanierung der Sanierung so zu sagen – klingt komisch, ist aber so.

Das Haus der Edermühle ist jedenfalls wieder dicht und trocken – so hoffen wir zumindest.

Hier zeigt sich übrigens der Unterschied zwischen guten und schlechten Gewerken am Bau. Fehler passieren immer, die Frage ist nur wie damit umgegangen wird. Die Dachfirma reagierte vorbildlich und leistete unterm Strich eine wirklich gute Arbeit.

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