Vorbereitung zur Dachsanierung

Kapitel 7 – Vorbereitung zur Dachsanierung

Arbeit, damit die Arbeit beginnen kann

Wie mach ma des jetzt?

Wie schon erwähnt standen einige Vorarbeiten unsererseits an, bevor es mit dem neuen Dach so richtig losgehen konnte.

Es gab auf dem Dachboden ein ausgebautes Schlafzimmer, welches Steffi und ich gedanklich schon Weihnachten 2014 bezogen hatten. Nicht nur, dass wir bereits Februar 2015 hatten, nein, das Schlafzimmer musste natürlich weg – also komplett alles. Bevor wir diesen Traum von einer Arbeit allerdings angehen konnten gab es ein kleines Problem. Zwischen Schlafzimmerdecke und Dachbodenspitze entdeckten wir einen Vergnügungspark für Marder – zwischen ca. 10 Millionen alter Verpackungsschachteln für Zündsteine, welche auf dem Schlafzimmer seit Jahrzenten vor sich hin gammelten, hatten die nämlich sichtlich ihren Spaß gehabt. Wie wir später erfuhren hatte eine Vorbesitzerin, eine gewisse Paula Böhm 1945 eine Feuersteinfabrik in unserer Mühle.

Hannes und Bernd gaben sich übrigens zu unserem Glück ein kurzes nachbarschaftliches Gastspiel.

„Wie mach ma des jetzt?!“ fragte ich genervt aber immerhin lösungsorientiert.

„Na einer geht hoch und schaufelt die Schachteln vom Zwischenraum aufn Dachboden und dann trag ma se runter“ antwortete Steffi vollprofimäßig und meine Spetzl nickten gehorsam.

Abgesehen davon, dass es sich weniger um einen Zwischenraum als vielmehr um eine Zwischenhöhle handelte, machte es für mich einfach keinen Sinn 5 Jahre lang vom Dachboden ins Erdgeschoss zu laufen, bis wir 10 Millionen Schachteln per Hand runtergetragen hätten. Das musste einfacher und schneller gehen, nur wie?

Genau so mach ma’s!

Steffi legte nach und es kam ihr die zündende Idee, wie wir das Problem am besten lösen könnten. Vor uns ragte nämlich ein Kamin durchs Dach, der wiederum bis nach unten ins Erdgeschoss führte, also wurde dieser kurzerhand zum Schacht umfunktioniert.

Bernd, der schlankste und kleinste von uns, wurde für seine Expedition in noch nie erforschte Zwischenräume zu krabbeln ausgestattet . Mit seinem Helm, der Stirnlampe, der Atemschutzmaske, den Handschuhen, seiner Schaufel und der Art wie er schaute, hatte er was von einem Maulwurf der in Mission impossible mitspielte.

Meine Wenigkeit stand zwischen der äußeren Schlafzimmerrückwand und dem Kamin mit einer Schaufel bereit um das ganze in den Schacht zu schaufeln und Steffi bildete mit Hannes im Erdgeschoss die Kette zum Abtransport – ganz recht, schon wieder ein Container, welch Freude.

„Die Schaufel kannst du hier vergessen!“ mit diesen Worten kam mir eben diese von Bernd entgegengeflogen. „Hier auch!“ stimmte ich wenig erfreut mit ein. Der Zwischenraum auf dem Schlafzimmer war einfach zu eng und das Kamintürchen zu schmal um mit Schaufeln zu arbeiten – riesen Überraschung. Naja, dann halt alles mit den Händen es hilft ja nicht.

Steffis Idee entpuppte sich wirklich als grenzgenial und wir 4 arbeiteten wie ein Uhrwerk zusammen. Trotz dieses Umstandes war fast ein ganzer Tag für diese im Gesamtbild wenig weiterbringende Arbeit notwendig und unsere beiden Helfer mussten leider auch schon wieder abreisen.

Die Richtige Entscheidung – wenigstens etwas!

Endlich konnten wir beginnen, das Schlafzimmer weg zu reißen und was sich dahinter verbarg bestätigte die Entscheidung das Dach komplett neu zu machen. Der royale Handwerker hatte offensichtlich als Einziger den richtigen Riecher gehabt. Versteckt in der mehr als laienhaft ausgeführten Dämmung moderte es an einigen Stellen schon vor sich hin und Balken die ein 3 Jähriger mit bloßen Händen hätte zerbröseln können kamen zum Vorschein. Alte Wespennester, Marderhaufen und ähnliches durften hier natürlich auch nicht fehlen.

Wir rissen also das Schlafzimmer raus. Hört sich einfach an, ist es aber nicht. Nein, es war wirklich eine Scheißhakn, weil die Wandlatten aus Massivholz mit ca. 5 Meter langen Nägeln, gut vielleicht waren sie auch nur 15 Zentimeter lang, für die Ewigkeit festgenagelt waren. Dieser Arbeitsschritt beschäftigte uns ca. 2 geschlagene Wochen, aber dafür waren wir auf dem besten Weg den Titel „Kunde des Jahres“ beim Containerdantler zu erringen, wir hatten ja schließlich einen Ruf zu verteidigen und da verstehen wir keinen Spaß.

Irgendwann war aber auch das geschafft und durch die völlig absurde Annahme, dass wir damit unsere Schuldigkeit getan hätten, war ich dementsprechend zufrieden wenn auch fertig und erschöpft.

Meine eigene kleine Welt

Steffi schaute mich jetzt schon seit 5 Minuten so komisch an. War es denn so ungewöhnlich mich glücklich zu sehen? Irgendetwas schien meiner Stephanie auf dem Herzen zu liegen.

Ich nahm sie in den Arm, drückte sie ganz doll und fragte „Hey, was ist denn los? Wir haben jetzt doch wieder so viel gschafft, freu dich doch!“

„Ich freu mich ja, aber ich glaub du hast was vergessen…“ sagte sie zögerlich „…Der Boden…“.

Der Boden – was soll mit dem Boden denn sein?, grübelte ich innerlich. Da müssen halt wieder ein paar Latten raus, schön ist anders, aber da gab es ja nun wirklich Schlimmeres. Meine Güte, wenn ich da an meinen Erzfeind den Du weißt schon wen, den dessen Name nicht genannt werden darf – nein nicht Lord Voldemort ze fix, sondern S t a u b – denke, der als 3 Tonnen Überraschung im Wohnzimmer unter dem Boden gewartet hatte… Halt… Stopp… Boden… Hmmm, Boden…Jetzt ganz langsam Columbo… Oh mein Gott! Boden!

Wie in Zeitlupe riss ich meine Arme weit in die Luft, sank langsam, kopfschüttelnd und mit schmerzverzehrtem Gesicht zu Boden auf meine Knie und schrie „Neeeeeeeeein, waaaaaaruuuuum nuuuuuur, neeeeeeein ! ! ! “ während sich alle Tiere verängstigt in Wald zurück zogen und Vögel von jedem Baum in die Höhe schreckten – ebenfalls in Zeitlupe eines Blockbusters… Man erzählt sich noch heute, dass man meinen Schrei in ganz Österreich hörte.

Ze fix noch amoi! Wie konnte ich Vollidiot nur ausblenden, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von exakt 99,9% genau dasselbe Vergnügen im Dachboden auf uns wartete wie einige Wochen zuvor im Wohnzimmer? Egal, 0,1 % is besser als ind Hand gschissen dachte ich mir und stemmte sogleich eine Diele vom Boden weg. Jessas Maria und Joseph da war sie, die anno 18 Hundert allseits beliebte Erde, Schotter, Schlacke Mischung! Aber halt, nicht wie im Wohnzimmer 30-40 Zentimeter tief sondern gerade mal nur 10 cm! „Hahaaaa!“ dachte ich triumphierend, 10 cm sind weniger als 40 Zentimeter! Ganz klarer Fall von sauber Massel g’habt!

Die Sache mit alten Häusern und der Schachtel Pralinen

Wie wir in Kapitel 4 gelernt hatten, sind alte Häuser ja wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie was man kriegt. Forrest, also ich lief aber nicht sondern blieb und bekam folgendes:

Unter den ersten 10 Zentimetern unseres Albtraums, befand sich nochmal ein Boden und darunter dann weitere 40 Zentimeter Erde, Schotter, Schlacke.

Faktencheck:

  1. Der Albtraum begann von vorne
  2. Der Albtraum hatte eine doppelt so große Fläche wie zuvor
  3. Der Albtraum war mit dem 2 Fach eingezogenem Boden gefühlt fast doppelt so tief
  4. Scheibtruhen waren wegen diverser Dachquerbalken und anderen Hindernissen nicht einsetzbar
  5. Der einzige Weg nach unten, war eine schmale Treppe

Ich machte dutzende Vorschläge was wir tun könnten, damit dieser Kelch an uns vorüber gehen würde, doch es half alles nichts – Schaufeln und Staubmasken warten bereits auf uns.

Wo dieser helle Moment, ein Scheibtruhen großes Loch in die unfertige Decke zu machen um wenigstens keine Eimer die Treppe runter schleppen zu müssen, herkam weiß ich zwar nicht, aber es half ein wenig. Natürlich war das nur ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein, denn die Arbeit sah nun wie folgt aus:

Ersten Boden wegreißen und fluchen. Erste Schicht Erde, Schutt, Schlacke in Eimer schaufeln und fluchen. Eimer zum Loch tragen und in die darunter stehende Scheibtruhe schütten bis sie voll ist und fluchen. Treppe runter laufen, Scheibtruhe über provisorische Planken nach draußen befördern und über die 20 Meter entfernte Hangauffahrt runter zum Container – kein fluchen da Luft zu knapp. Dann die Holzrampe in den Container rauf, Schutt abladen und nach Luft schnappen. Auffahrt bei Schnee und Eis wieder rauf und 20 Meter zurück ins Wohnzimmer – Luft wird noch knapper. Treppe wieder rauf, zu Atem kommen und fluchen. Danach wieder fließender Übergang zwischen fluchen und Eimer voll schaufeln.

Wir hätten eigentlich nur noch eine Schlammgrube gebraucht und das englische „Tough Guy Race“ wäre fast komplett gewesen. Großartige Pausen gab es wie schon in einem anderen Kapitel erwähnt nicht wirklich, da wir noch Minusgrade hatten und wir noch immer unsere Zehen behalten wollten. Das ganze Prozedere ging Tag ein Tag aus, es vergingen Tage, es vergingen Wochen und es grüßte mal wieder das Murmeltier.

Nur nicht aufgeben!

Eine unerwartet große Hilfe in diesen schweren Wochen war Steffis Mama, die im früheren Leben ein Duracell Häschen gewesen sein muss. Unermüdlich half sie mit wo sie nur konnte und jeder Handgriff war eine Erleichterung für uns – Danke Eva, du bist echt a zacha Hund!

Aufgeben war sowieso keine Option mehr, selbst wenn wir gewollt hätten. Unsere Edermühle war in einem Zustand, in dem man sie vermutlich nicht einmal geschenkt genommen hätte.

Ganz nebenbei mussten wir auch noch Dinge wie mit dem gerichtlich bestellten Sachverständigen regeln und nachdem das durch war ja auch noch einen neuen Installateur finden. Einen Installateur im Winter zu finden, der sich einem kompletten Haus annimmt, indem noch dazu ein „Kollege“ alles verpfuscht hat was es zu verpfuschen gibt, ist wie die berühmte Nadel im Heuhaufen suchen.

Im Gegensatz zu Steffi, die immer noch bezaubernd aussieht, bin ich in dieser Phase glaub ich um 10 Jahre gealtert, weswegen auch eine hartnäckige Grippe eine Chance bei mir hatte. Nach 2 Wochen gings dann aber auch für mich wieder weiter und schon bald sollten die Arbeiten für das neue Dach beginnen…

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