Das alte Dach

Kapitel 6 – Hiobsbotschaft gefällig?

Zur Erinnerung – wir hatten vor dem Kauf etliche Handwerksbetriebe zur Edermühle gebeten um in etwa einschätzen zu können was so alles auf uns zu kommen würde – also so rein theoretisch ist das vorbildlich.

Wie auch immer, nun ging es um ein konkretes Angebot für das Stalldach, was etwas mitgenommen aussah. Bei den tatsächlichen Sanierungskosten, laut endgültigem Kostenvoranschlag, lagen wir mit unserer Vorabschätzung nur um ca. 1.000 € daneben, was eigentlich ziemlich gut ist bei so einem riesen Projekt.

Das Stalldach hat’s nicht eilig!

Die noch bessere Nachricht war aber, daß das Stalldach nicht sofort gemacht werden musste sondern noch 4-5 Jahre Zeit hatte.

„So soll’s laufen! Genau wie beim Haus Steffi! Des gibt uns Luft für dringendere Dinge!“ atmete ich erleichtern auf und Steffi nickte freudig.

„Des Dach vom Haus schauma uns jetz a no gach o“ kam es vom Profi der soeben unser Stalldach begutachtet hatte zurück.

„Kein Problem, des hamma auch schon anschaun lassen, des hat noch so ca. 6 Jahre Zeit, aber schaun schad ja nix“ sagte ich völlig gelassen und wir begaben uns zum Dachboden des Hauses.

Während der Zimmermann sich am Dachboden umschaute, schmiedeten Steffi und ich Pläne, welche Dinge wir nun überraschenderweise sanieren könnten.

Hintergrundgeräusche

Immer wieder kam ein „Mmmh na!“ oder „I woas ned“ zwischen den üblichen prüfenden Klopfgeräuschen des Zimmermanns, die unseren Träumereien aber keinen Abbruch verliehen.

Die üblichen Hintergrundgeräusche die wir inzwischen gewohnt waren, wenn Handwerker etwas überprüfen. Man achtet nach einer Weile nicht mehr drauf, weil man als Laie daraus genau gar keinen Schluss für sich ziehen kann. Man braucht das nicht mal zu versuchen.

Das ist in etwa so, als ob Deine 98 jährige Uroma versucht Dir bei Gesprächen über Social Networks zu folgen. Im besten Fall hört sie heraus, dass das wohl irgendetwas mit diesem Internet zu tun haben muss, auch wenn sich das ihrer Meinung nach nie durchsetzen wird.

Solltest Du in diesem Handwerkerfrühstadium doch mitreden wollen, dann endet das zu 99% so, als ob Du als Antialkoholiker bei einem Sommelier einen Schluck Wein nimmst, ewig darüber schwadronierst welch tolles Bukett der doch hat und während Du über die Vielfältigkeit sowie das Anbaugebiet dieses Jahrhundertweins mit sinnierst, weißt man Dich dezent darauf hin, dass Du den Spucknapf verkostet hast.

„Des muss gmacht werdn!“ knallte mich eine verbale Ohrfeige aus meinen Gedanken!

„Wie? Was muss gmacht werden?“

„Na Ois! Einfach ois!“ knallte es mir eine saftige zweite hinterher!

„Ok, der blufft! Der will die große Kohle machen, ganz klar!“ schoß es mir durch den Kopf. „Halt, Moment, warum will er dann das Stalldach nicht machen, mit dem wir doch sowieso gerechnet haben? Oh, Gott, ein Trick im Trick bestimmt! Der wusste, dass er mit der ersten positiven Prognose unser Vertrauen gewinnt um dann den Jackpott mit dem Haus zu haben!“  Bevor sich meine Paranoia bis zu den Illuminatie weiterspinnen konnte, unterbrachen mich Steffis „Christian?“ unterstützt von einem herzlichen aber bestimmten Kniff in den Arm. “ Passt eh ois, Sie seng so blass aus?“ setzte der Überbringer dieser Teufelsnachricht nach.

Das wars!

„Äh..Na..Na passt schon“ stammelte ich, gefolgt von einem etwas offensiveren „Meinens des jetzt wirklich ernst, des kann doch jetzt echt nicht sein!“. Ich kam mir dabei vor wie ein Fußballspieler der gegen eine rote Karte protestierte – als ob es jemals ein Spiel gab wo ein Schiedsrichter gesagt hätte „Nein, nein Herr Ronaldo, des war nur ein kleiner Spaß, nix für ungut gell!“.

Der Zimmermann hatte sichtlich Mitleid mit uns und versuchte meinen Kreislauf daran zu hindern für heute Feierabend zu machen. „Des kost jetz a ned d‘ wöid, des kriag ma scho…“

„Ja äh.. und was heißt des jetzt in genauen Zahlen?“ fragte ich inzwischen völlig neben mir stehend, wo übrigens auch Steffi stand.

„Mei, 60.000, mehr nicht…“

60.000! Mehr nicht! Meine allseits beliebte Frage, ob es sich dabei um Zloty handle, kam mir diesmal nicht ein mal mehr in den Sinn. Ich musste jetzt erst mal verdauen, dass es im Waldviertel Handwerker gab die 60.000 € als „nicht die Welt“ sowie „mehr nicht“ bezeichneten und somit offensichtlich zum heimischen Geldadel gehörten. Ich bat seine Handwerklichkeit um Erlaubnis etwas Luft schnappen zu dürfen, während Steffi glaub ich einen Knicks machte.

Jetzt erst recht!

Natürlich teilte ich Steffi als erstes meine Theorie mit, wie dieser Zimmermann letztendlich mit den Illuminati die Weltherrschaft übernehmen wollte, indem er unser Hausdach sanierte.

Ein überzeugendes „Schmarrn Christian!“ ihrerseits widerlegte diese Theorie und wir überlegten was wir nun machen sollten. Von „Wir nehmen uns nen Strick“ was aufgrund der maroden Dachbalken ausschied, bis hin zu „Wir wollten doch eh Lotto spielen“ wurden so ziemlich alle Möglichkeiten ausgelotet. 2 Stunden später setzten wir alles auf eine Karte, schnürten eine Art griechisches Edermühlen – Rettungspaket zusammen und gaben nach 2 weiteren Vergleichsangeboten sowie etlichen schlaflosen Nächten das „Go“ für die Komplettsanierung unser Hausdachs mit nicht weniger als 300 qm Dachfläche samt Dachstuhl.

Das Risiko, dass der royale Zimmermann Recht hatte und wir am Ende mit einem undichtem Dach da stehen würden, war uns einfach zu groß.

Es war nun endgültig der Punkt gekommen an dem absolut nichts mehr schief gehen durfte! Es ging jetzt endgültig um alles oder nichts! Bis zur Fertigstellung war uns das übrigens jeden Tag und jede Stunde bewusst!

Es war wie eine Last und ein Motor zugleich – Steffi und ich gegen den Rest der Welt!!! Auf geht’s!

Bevor seine Handwerklichkeit samt Firma loslegte war jedoch noch einiges an Vorarbeit von uns zu leisten die es in sich hatte!

Ob Du es jetzt glaubst oder nicht, aber genauso steht es geschrieben und ist mit Fotos belegt – diese Arbeit war eine weitere Steigerung des Schwierigkeitsgrades auf unserem Sanierungsmarathon.

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