Pfusch bei der Heizungsinstallation

Kapitel 5 – Der Installateur der nie hier war

Das Herzstück der Mühle nur in die besten Hände!

Die Installationsfirma, welche uns durch einen Bekannten empfohlen wurde, wurde bereits in 3ter Generation geführt und kam von etwas weiter weg. Wir waren gerne bereit etwas mehr zu zahlen, denn schließlich ging es hier um das Herzstück unserer Edermühle. Im Vorfeld war der Juniorchef persönlich vor Ort, notierte sich alles, besprach mit uns jedes Detail, zeichnete uns noch die Stemmarbeiten vor und machte rundum einen sehr kompetenten Eindruck.

Nachdem die Stemmarbeiten für die Heizungs-und Wasserrohre gemacht waren, wurden diese von der besagten Installationsfirma auch abgenommen und für „sehr gut“ befunden.

Der Zeitplan sah 2 Mann, 2 Wochen vor. Der Preis war zwar kein Anlass für Luftsprünge, aber es ging ja wie gesagt um eine sehr wichtige Arbeit wo alles passen musste.

Bei Ankunft Feierabend

Als die beiden Installateure Kevin, ohne Führerschein, und Milad, ohne Sprachkenntnisse, bei uns ankamen, war das zwar schön, aber ohne Material lässt es sich halt schwer arbeiten, also wurde erstmal Pause gemacht. „Das Material müsste heute noch kommen hat der Chef gesagt“ meinte Kevin. Kein Problem, wir hatten für heute sowieso Feierabend bzw. noch einen Termin in Gmünd, etwa 20 Minuten von unserer Mühle entfehrnt. Also ab in die Pension, duschen, umziehen und was essen. Als es zu dämmern anfing fuhren wir Richtung Gmünd, machten aber einen Abstecher zur Edermühle um zu sehen, ob sich da etwas tut.

Super, da tat sich einiges! 2 Installateure, die das Waldviertel im Winter mit Spanien im Frühling verwechselt hatten, standen zitternd um ein Lagerfeuer, welches sie kurzer Hand mitten in unserem Garten entflammt hatten. Auf die Idee, dass es wohl keine Heizung geben würde, wenn wir eine Installationsfirma mit der Heizungserstellung beauftragen würden, kamen die beiden wohl nicht. Zuerst fragen, ob man den Garten flambieren darf, wird sowieso überbewertet.

Na das fing ja schon mal gut an, aber wir mussten zu unserem Termin, der Rasen würde nachwachsen und erfrieren wollten wir die beiden ja schließlich auch nicht lassen.

Neuer Tag, neues Glück!

Am nächsten Tag, das Material wurde offensichtlich tatsächlich in unserer Abwesenheit geliefert, begannen die Arbeiten und der Albtraum gleich mit.

„Du Kevin sag mal, wir haben doch mit dem Chef besprochen, dass wir diese 28er Leitungen nehmen, auf dem hier steht aber 26 drauf?“ bemerkte Steffi irritiert.

„Nee, nee, da ist alles in Ordnung, das ist von nem anderen Hersteller und ist dasselbe wie das 28er“ kam es völlig überzeugend zurück.

Im Nachhinein natürlich selten dämlich von Steffi und mir so einen Unsinn zu glauben, aber hey, wir sind Laien und bei Kleidung variieren die Größeneinheiten ja auch je nach Hersteller für ein und die selbe Größe.

Langsam wird’s auffällig

Am Tag als die Pufferspeicher kommen sollten, fragte ich aus reiner Neugier einmal nach, wie diese eigentlich in den Heizraum kommen.

„Das ist eine gute Frage “ ist keine gute Antwort darauf. Nur zur kurzen Erinnerung, der Junior Chef persönlich hatte hier geplant und wir sind Laien.

Ein kurzer Anruf beim Hersteller bestätigte mein ungutes Bauchgefühl. Abgesehen davon, dass diese elefantengroßen Dinger durch keinen Eingang passten, passten sie nicht einmal in den Heizraum.

Wir überspringen meinen Wutausbruch und den Rest und können sagen, dass wir eine Lösung gefunden haben – sonst kommt dieser Teil der Geschichte nie zu einem Ende.

Der Hoffnung blind folgend bis Weihnachten fertig zu sein, vergingen 4 Tage, an denen wir nicht anwesend waren. Auf „Kleinigkeiten“ wie, dass nur ein Zufall verhinderte, dass wissentlich die vollkommen falsche Badewanne eingebaut wurde oder dass wochenlanges Boden rausstemmen für die Fußbodenheizung mit einem einfachen „Nee, das geht jetzt doch nicht“ (natürlich ging es) quittiert wurden, gehen wir jetzt mal gar nicht ein. Wir sollten ein Buch über das alles hier schreiben, fällt mir gerade auf.

Mammuts und andere Gschichterln

Plötzlich erhielten wir um ca. 19 Uhr die Nachricht, dass man viel schneller als gedacht vorangekommen sei und man in spätestens 2 anstatt noch übriger 6 Tage fertig sei. Jetzt meinst Du vielleicht wir sollten uns doch freuen oder?

Würdest Du Dich denn freuen, wenn Dir jemand sagt „Du Spetzi pass auf, super Nachricht, der Weihnachtsmann und der Osterhase haben gerade beschlossen, dass Dir die Glücksfee die Lottozahlen von nächster Woche verraten soll und die Zahnfee hat zugestimmt!“? Das stank bei dieser Vorgeschichte bis zum Himmel!

„Wir müssen da jetzt hinfahren!“ sagte Steffi ganz hektisch.

„Steffi, der Radio sagt, dass da im und rund ums Waldviertel viel Eis ist und ein paar Straßen gesperrt sind!“

„Das ist mir egal, wir müssen da jetzt hin!“

„Steffi! wenn wir Glück haben dann sind wir um 21 Uhr da und können grad eh nix machen!“

„Christian! Wir fahren da jetzt hin, die machen unsere Mühle kaputt!!!“

Ok, Treffer versenkt, wir packten rasch ein paar Dinge zusammen und fuhren los. Im Waldviertel angekommen stellten wir sehr schnell fest, dass wir versehentlich 5 Millionen Jahre in der Zeit zurück gereist waren und uns in der verdammten Eiszeit befanden. Alles und ich meine wirklich alles war vereist! Während wir von einer gesperrten Straße zu nächsten zuckelten, warteten wir bei Tempo 20 nur darauf, dass jeden Moment ein Mammut die Straße queren würde. Dieses seltene Naturschauspiel war wirklich mehr als unheimlich und sorgte in dieser Nacht für ca. 400 Feuerwehreinsätze im Waldviertel.

Als wir um ca. 23 Uhr bei der Mühle ankamen, trafen wir völlig überraschend auf 2 ebenso überraschte Installateure. Wir fuhren gemeinsam zur Pension und ich fühlte ihnen auf den Zahn. Was soll ich sagen, wenn etwas nach Bullshit aussieht, danach riecht und sich auch so anfühlt, dann ist es in der Regel auch Bullshit. Wir verlangten bei der für morgen geplanten Überprüfung der Dichtheit der Rohre (das sog. Abdrücken) dabei zu sein, weil wir ab jetzt genau gar nichts mehr glaubten – naja außer an die Sichtung eines Mammuts vielleicht.

Ja nee, is klar!

Nächster Morgen 7 Uhr Frühstückstisch Pension, eine mulmige und angespannte Stimmung liegt in der Luft.

„Kevin, wie lange dauert das Abdrücken?“

„Das habe ich schon gemacht.“

„Was? Warum? Wann denn?“ stotterten wir verdutzt.

„Na heute Nacht“ kam es vollkommen ernst zurück.

Er wollte damit sagen, dass er entgegen unserer Abmachung, mutterseelen allein und zu Fuß 20 Minuten durch den vereisten Wald spazierte um dann eine Dichtheitsprüfung für das komplette Haus zu machen und das ganze um 2 Uhr Nachts bei -10 Grad!

Eigentlich fehlte nur noch der Teil, wo er auf einem Mammut zurück zur Pension geritten ist, wobei dieser Teil der glaubwürdigste gewesen wäre. Wir machten uns unverzüglich auf zur Edermühle!

Herzlichen Glückwunsch – es ist ein Supergau!

Was wir 5 Minuten später in unserer Mühle vorfanden ist einfach unmöglich mit Worten zu beschreiben, wobei das „So etwas habe ich lange nicht mehr gesehen“ des später gerichtlich bestellten Sachverständigen ein Indiz ist.

Es fing mit simplen Fragen wie „Du Kevin, wie soll der Mauerer das verputzen, das steht ja in allen Ecken komplett aus der Wand raus?“ an. Tatsächlich kam darauf der Vorschlag, einfach einen 30 cm Mauervorsprung zu machen und einen Blumentopf davor zu stellen, es sei ja schließlich ein altes Haus, wo man Kompromisse eingehen müsse. Echt jetzt, genauso passiert, kein Scherz!

Auch für die ungedämmten Rohre welche vom Heizraum in den Stall zu den Pufferspeichern durch 1,20 Meter dickes Mauerwerk gingen hatte Kevin eine kompetente Lösung parat. „Das könnt ihr ganz einfach mit Bauschaum machen“. Natürlich warum nicht. „Wir könnten aber auch ganz einfach ganz viele Smarties drauf schütten, dann isses wenigstens bunt und mia ham a fetzn Gaudi dabei Du Hirsch“ dachte ich mir.

Bei den nicht vorhandenen Wandanschlüssen für die Heizkörper, man hatte hier einfach Plastikrohre unter der gesamten Länge der Heizkörper künstlerisch hingewurschtelt, sagte Kevin einfach „Da hättest Du ein anderes System bestellen müssen“. Milad verplapperte sich dann allerdings und meinte „Na, na gibt schon das, aber haben nix gemacht, weil kostet 6 € fur eins Stück“ – achso, na dann, wenn das so ist.

Es ging aber munter weiter im Kabinett des Grauens. Als wir Kevin dezent darauf hinwiesen, dass die Pufferspeicher, auf denen ein großes Schild stand „Wasser wird bis zu 95 Grad heiß!“ mit Rohren verbunden waren auf denen groß stand „Maximalbelastung 75 Grad“ bekamen wir eine prompte aber sehr komplexe Erklärung „Nein, nein, dass passt schon so“. So ging das ca. eine halbe Stunde, denn wirklich genau gar nichts war so wie es sein sollte.

Die Erklärungen und Antworten auf die immer skurriler werdenden Kunstwerke wurden langsam extrem phantasievoll und für einen kurzen Moment hielten wir Kevin und Milad für die Gebrüder Grimm die als Handwerker verkleidet durch die Lande zogen.

Da Steffi aber nicht wie Goldmarie aussah und ich schon gleich 2 mal nicht, verwarf ich die Idee den beiden einen Apfel an zu bieten. Kurz bevor uns Kevin und Milad ein Säckchen mit Zauberbohnen verkaufen wollten beendeten wir die Märchenstunde dann endgültig.

Als die beiden Vollprofis bemerkten, dass Steffi und mir klar wurde, was hier angerichtet worden war kamen keine Geschichten mehr, sondern ein bühnenreifer Abgang.

Man versuchte uns ganz subtil ab zu lenken, indem man uns übelst beschimpfte und anschrie, dabei in den Wagen stieg und einfach mit quietschenden Reifen wegfuhr. Nur zu Deiner Erinnerung, das hier ist kein Märchenbuch.

Ein Zuckerl gab’s natürlich obendrauf, denn um am Vortag zu überprüfen ob die Anlage dicht war (Trommelwirbel War sie natürlich nicht! * Tusch) wurde vor unserem Überaschungsbesuch und gegen unseren ausdrücklichen Willen die komplette Anlage mit Wasser befüllt. Bei -10 Grad im Winter ist das halt einfach nur oasch!

Man sagte uns nicht nur nicht, dass sich noch Wasser im kompletten System befand, sondern verneinte dies eine Stunde zuvor sogar noch ausdrücklich. Da wir aber ja nur 1 und 1 zusammen zählen mussten, war diese Überaschung eigentlich gar keine mehr. Es war schlicht und einfach der Supergau wie man ihn nich einmal seinem schlimmsten Feind wünscht. Steffi und ich liesen also noch bis 2 Uhr Nachts das Wasser aus dem System um unsere Edermühle zu retten.

Steffi weinte das erste Mal seit unserem Projekt und ja, ich gleich mit. Nein, nicht weil wir den Einzugstermin Dezember 2014 wie einen holzwurmbefallenen Zahnstocher knicken konnten, sondern weil es ganz einfach um unsere Existenz ging!

Also doch!

Als Krönung ging es in dem darauf folgendem gerichtlichen Verfahren darum, dass die Firma, die uns um ein Haar unsere Existenz ruiniert hätte doch tatsächlich behauptete, sie hätte nie für uns gearbeitet, sondern lediglich Material geliefert. Es handelte sich also doch um die Gebrüder Grimm.

Wie die Geschichte vor Gericht ausging erzähle ich ein anderes mal. Wir waren einfach nur froh, dass wir Weihnachten 2015 ein warmes zu Hause in der Edermühle hatten – fast wie im Märchen.

Gefällt Dir der Beitrag? Unterstützung für kreatives Schreiben.

Volksbank Salzburg
Christian Polito
AT174501000072062375
VBOEATWWSAL

Eine Idee zu “Kapitel 5 – Der Installateur der nie hier war

  1. Pingback: Nackerte Mühlen und Mauersegler - Edermühle im Waldviertel

Kommentare sind geschlossen.