Die große Weide

Die große Weide

200 qm sind gut – 5.000 qm sind besser!

A Stückal Freiheit – oder auch nicht

Mit den Kune Kune Schweinen lief es einfach rund, so als ob Steffi und ich noch nie was anderes gemacht hätten als für 4 Kune Kune Schweine zu sorgen.

Für die ersten 2 Wochen waren die 4 auf ca. 200 qm unterwegs, damit wir uns aneinander gewöhnen konnten und das Zaunsystem funktionierte einwandfrei.

Es war nun an der Zeit den 4 Schweinen einen Hauch von Freiheit zu schenken, also bereiteten Steffi und ich alles vor, um aus 200 qm satte 5.000 qm zu machen.

Der Toni aus’m Nachbarort lieh uns netterweise seinen Balkenmäher und nach 2 Tagen war alles vorbereitet.

Wir freuten uns einfach für die Schweine mit, denn sie wussten ja nicht was heute für ein Tag war. Das „kleine“ Gehege war nun quasi vom großen umrandet, so dass es abgebaut werden konnte und volle 5.000 qm zur Verfügung standen.

Jetzt sind Schweine halt schon sehr gscheit und so blieben sie auf den Punkt genau 2 cm vor den Punkten stehen, wo vorher der Elektrozaun des kleinen Geheges entlang lief.

20 Minuten später und mit viel gutem zureden war es dann so weit und sie tobten auf 5.000 qm umher.

Man merkte ihnen sofort an, dass sie es genossen nicht mehr auf „nur“ 200 qm „hausen“ zu müssen, wobei 200 qm natürlich völlig in Ordnung sind wie wir finden.

Eigentlich ein Wahnsinn wenn man bedenkt, dass konventionelle Mastschweine auf ca 2 qm dahinvegetieren müssen – nein es ist nicht nur „eigentlich ein Wahnsinn“ es ist schlichtweg Tierquälerei.

Physik ungenügend

Naja auf jeden Fall sind 5.000 qm echt riesig und ich vertraute dem Elektrozaun nicht so ganz, denn auch dieser Messanzeiger den wir gekauft hatten, zeigte natürlich an, dass der Strom nicht mehr so glatt lief wie zuvor auf den 200 qm.

Todesmutig faste ich also an den Zaun, weil ich das von den Kuhzäunen früher kannte und erwartete einen leichten Schlag. Was ich stattdessen bekam war ein sanfter Hauch von irgendwas.

Nicht das jetzt hier die Tierschützer einen Krampf bekommen – a bissal zwirbeln muss es schon bei einer Berührung. Schweine machen in der Regel keine Gefangenen, zumal sie nur einmal an den Zaun kommen – es sind wie gesagt sehr intelligente Tiere, aber für ein „Du, du, du geh da nicht durch wenn ich weg bin“ reichts halt leider trotzdem nicht.

Wie auch immer, das ging so nicht und ich ging noch mal unser Zaunsystem durch.

„Na des passt alles, aber glang doch mal hin, des zwirbelt ned gscheit, des passt ned.“

„Na des mach ich ned“ kam es von Steffi zurück.

„Geh weida, da schau hi, da passiert nix. Jetz glang hin.“

„Jetz hör auf mich zu drängen ze fix, ich mach des ned!“ kam es in gesteigertem Ton zurück.

Ich wollte meine Steffi um Himmels Willen zu nichts drängen – die Freundin zu etwas drängen wollen ist generell eine schlechte Idee, vorallem wenn es sich um selbst zugefügte Stromschläge handelt, das leuchtete mir nach einem letzten „Jetzt leck mich am Arsch Christian, ich glang da ned hin!“ auch ein.

Der entscheidende Hinweis kam von unserem Elektriker, der meinte ich sollte mal die Gummistiefel ausziehen und mit einer Hand an den Zaun langen, während ich die andere Hand auf den Boden lege.

Während ich meine Stiefel auszog und überlegte warum der Elektriker lachend auflegte und Steffi so komisch grinste, lief alles wie in Zeitlupe.

Als meine rechte Hand Richtung Boden ging und meine linke Hand dem Zaun näher kam, flogen verschiedene Worte durch meinen Kopf.

Strom leitet…Erdung…Gummi…isolieren…

Was hat denn jetzt Gummi mit… Den Gedanken konnte ich nicht mehr zu Ende führen, denn es zog mir dermaßen eine drauf, dass ich dachte der Watschnbaum is 5 mal umgfallen!

Einen Meter zur Seite gesprungen und sichtlich irritiert kamen einzelne Wörter aus meinem Mund die eigentlich mal ein Satz werden wollten „Uhi… Ja… Na also na… Jesas…. Der Zaun… Des is gut… Zaun passt.“ Richtung Steffi die mit einem kurzen und liebevollen „I weiß scho warum i da ned hinglang du Hirsch“ antwortete.

Darauf hin gabs noch ein dickes Bussal von ihr, denn sie freute sich so für die Schweine und darüber, dass der Zaun und ich den Praxistest bestanden hatten.

Die neue Freiheit

Seit der Erweiterung des Geheges sind unsere Kune Kune Schweine noch ausgelassener und ruhiger als davor.

Es ist wirklich eine Freude Annabell, Klara, Rudi und Benjamin auf ihren ausgedehnten Streifzügen über die riesige Weide zu beobachten.

Absolutes Highlight ist es, wenn man sie nicht sieht und nach ihnen ruft. Wie bei Jurassic Park raschelt es im nirgendwo, hohe Gräser beginnen zu zucken und man glaubt es kommen ein paar Raptoren auf einen zugerannt, wenn sich immer schneller eine Schneise auf einen zubewegt. Stattdessen springen 4 überglückliche Kune Kune Schweine hervor und laufen einem grunzend entgegen nur um dann beim ersten Kraulen umzufallen.

Tja so ein Schweinebauch muss eben regelmäßig und ausgiebig gekrault werden.

Apropos Schweinebauch – hier kannst Du für Annabell, Klara, Rudi und Benjamin eine Patenschaft übernehmen.

Nön Kolumne

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