Rudi droht zu ersticken!

Rudi droht zu ersticken! Noteinsatz bei den Kune Kune Schweinen!

Eigentlich ein ganz normaler Tag

Es war eigentlich ein ganz normaler Tag in der Edermühle, der sich dem Ende zuneigte.

Die Hühner waren genau wie die Enten bereits versorgt und bettfertig, nur noch die Schweine füttern und dann stand grillen auf dem Programm.

Unsere Schweine bekommen ihr eingeweichtes Brot, Obst und Gemüse immer etwas auf der Weide verteilt, damit sie auch was zu tun haben, so auch an diesem Abend.

Annabell, Klara, Rudi und Benjamin stürzten sich wie gewohnt voller Freude auf ihre Abendration, das muntere Gruppenschmatzen konnte beginnen und ich bereitete für Steffi und mich den Griller vor.

Der kaputte Staubsauger

Da es ja nun ein kleines bißchen dauert bis so eine Grillkohle richtig schön glüht, machte ich nochmals einen kleinen Rundgang in der Edermühle.

Die Hühner saßen schon brav auf den Stangen, die Enten hatten es sich auch schon eingerichtet und die Schweine waren noch am fressen.

Naja, alle bis auf Rudi – der sah irgendwie a bissal komisch aus.

Er frass nicht wie alle anderen, sondern wandelte total schräg umher, so als ob er völlig eingeraucht wäre. Dann machte er Geräusche wie ein kaputter Staubsauger und zu guter Letzt kam auf einmal Schaum aus seinem Mund.
Erste Hilfe bei nem Schwein?!

„Stefffffffiiiiiiii!!!!!! Stefffffffiiiiiiiiiiiii!!!!!! “ schalte es durchs Lainsitztal! Während ich Rudi mit etwas streicheln beruhigte und gleichzeitig überlegte was überhaupt los war, kam Steffi angerannt.

„Du i bin zwar kein Arzt, aber entweder hat der Rudi gscheit was graucht und macht gleich einen auf Seifenblasenspender oder der erstickt uns!“

„Ja was mach ma denn jetzt?!!!“

„Du rufst den Tierarzt an, ich schau ob da was im Maul steckt und wie ichs rausbekomm!“ sagte ich hochprofessionell und routiniert wie Dr. House persönlich, während ich innerlich völlig überfordert überlegte, wie der Heimlichgriff bei einem Kune Kune Eber anzuwenden ist oder ob eine stabile Seitenlage mehr Sinn machen würde.

Jetzt musst Du wissen, dass so ein Maul eines Schweines eine hochprofessionelle Zermahlmungsmaschiene ist, wo überall irgendwie richtig fiese Zähne rausstehen.

„Wie schnell wohl der Christopherus 10 hier ist, wenn ich meine Hand verliere? Nehmen die dann mich UND Rudi mit in den Hubschrauber? Wäre ja echt blöd, wenn er an meiner Hand erstickt und ich nur noch eine Hand hab. Wie war doch gleich noch mal der Spruch mit den fliegenden Schweinen oder waren es doch kotzende Pferde? Wir haben doch gar keine Pferde?“ welzten sich meine Gedanken, während meine Hand immer wieder schnell zu Rudis Maul und seinem Rüssel griff, um ihn von dem schleimigen Schaum der sich gebildet hatte zu befreien.

Geht sich das aus?!!!!

Gerade als ich zur Mund zu Rüssel Beatmung ansetzen wollte – ja ich hätte es getan – traf der Tierarzt ein. Ja geh leck! 5 Minuten nach Anruf war er da – eine Topleistung um die wir heilfroh waren!

Genau nach Anweisung des Tierarztes nahm ich den 40 Kilo Rudi auf meinen Schoß und beruhigte ihn weiter, während er ihm eine provisorische Maulsperre verpasste und mit einer Art Stab versuchte etwas zu ertasten.

Rudi biss aber jedesmal so fest in den Stab, dass das keine Lösung war – meine Gedanken drehten sich wieder um Christopherus 10, aber ich wusste nur, dass wir keine Pferde hatten.

„Na, Vollnarkose, des hilft alles nix. Frau Steffi, mir brauchn a dünnes langes Rohr und sowas wie a Muffn. Wo find ma des?“ sagte der Tierarzt völlig gelassen und es fehlte nur noch, dass er eine Tasse Tee verlangte, während er nebenbei feststellte, dass dieser Mc Gyver ihn schon immer inspiriert hätte.

Rudi halt durch!

Keine 2 Minuten später standen Steffi und Doc Mc Gyver mit entprechenden Untensilien vor mir – naja so ein Hof ist groß und da liegt immer Glumpats des man brauchen kann rum.

Rudi war wirklich sehr tapfer, aber die Zeit rannte davon, also gabs die Narkosespritze. Als diese zu wirken begann, ging alles realtiv schnell.

Das soeben selbst zusammengestellte Erste Hilfe Notfall Antischweineerstickungsset wurde zum Einsatz gebracht und nach vielleicht 30 Sekunden sagte Dr Mc Gyver „Ja, jetzt – das wars, jetzt müssts passen. I glaub a Stück Holz wars“

Was stinkt hier eigentlich so?

Und tatsächlich, der Schaum hörte auf und Rudis Atmung normalisierte sich.

„Jetzt einfach ne Stunde schlafen lassen und alles ist wieder gut, mia seng uns“ verabschiedete sich der edle Retter während wir Rudi in seine Hütte mit Stroh legten.

Wir waren überglücklich, auch wenn Rudi ja noch in Narkose war.

„Was stinkt hier eigentlich so?!“ fragte Steffi und konnte sich die Frage aber gleich selbst beantworten.

Unmengen von sogenanntem „Angstschiss“ klebten auf meiner Hose und meinen Beinen und es stank bestialisch.

„Armer kleiner Rudi“ kam es nur unisono von Steffi und mir und hätte mich jemand gesehen, wie ich den Dreck wieder los wurde, sehe ich die Schlagzeile beim Wirtn schon vor mir:

„Du Sepp, die neuen aus Bayern hamm an totallen Glescher! Der Typ steht voller Schweinescheiße mitten in der Nacht im Bach und freut sich wia a Schnitzl und die Seinige steht lachend daneben – a soichane Deppen!“

Natürlich ist das reines Klischeedenken vom Dorfleben, denn wir wurden und werden wirklich mehr als herzlich in die Dorfgemeinschaft aufgenommen.

Rudi war jedenfalls gerettet und eine Stunde später wie neu – ein Hoch auf Dr Mc Gyver aus dem Waldviertel!!!

Ach übrigens, Du musst Rudi und den Rest der Kune Kune Schweine ja nicht gleich retten, aber über einen individuellen Futtersack oder eine Patenschaft würden sie sich mit Sicherheit trotzdem sehr freuen.