Christian Polito über die Schweinepediküre.


Auf die Knie, Herr Doktor!

Jetzt ist das ja so, dass wir immer noch ziemliche Anfänger in Sachen Landwirtschaft sind und überhaupt lernt man ja eh nie aus.

Die Hufe unserer Schweine sahen für mich als Laien etwas zu lang aus, aber genau gewusst hab ich’s eben nicht.

"Poste das doch auf Facebook, vielleicht weiß jemand Bescheid", hat ein Spetzl gsagt. Ja genau. Ich weiß eh, dass ich ned wie der Gscheidste ausseh, aber blöd bin ich trotzdem nicht. Poste nie, ich wiederhole, POSTE NIE negative Dinge im Internet. Da gibts dann ruckzuck einen Shitstorm.

Für meine älteren Leser - das ist ein Sturm, der auf dich zu kommt, mit einem Inhalt, den du nicht möchtest. Man könnte ganz altmodisch auch ein Gschiss sagen, was den Kreislauf der Generationen wiederum schließen würde.

Wurscht. Also bemühte ich natürlich wieder mal unseren verehrten Tierarzt in Bad Großpertholz, Herrn Dr. Schätz - bei dem ist mir inzwischen nix zu blöd, weil der weiß und vor allem akzeptiert, dass ich einen Vollklescher habe.

Jetzt war das so, dass die Hufe von Klara und Annabell tatsächlich etwas zu lang waren. Ja nur was macht man da jetzt?

Schneiden?

No na ned. Mit was?

Der Herr Doktor hatte ein feines Sortiment an Spezialwerkzeug, welches ich umgangssprachlich als Heckenscheren betitelt hätte.

Und dann? Festhalten?

Vergiss es, genauso gut kannst auch versuchen, den Nachbarsochsen, also ich mein den Ochsen von Deinem Nachbarn und nicht den Ochsen von einem Nachbarn, festzuhalten.

Betäubung? Ich mein das Schwein und nicht den Nachbarn! Zu riskant, weil so ein Schwein auch gerne mal einen Herzkasperl bekommt. Tja, es blieben also nur noch die gute alte Ruhe und Geduld. Jetzt krochen der Doktor und ich also auf allen Vieren durch die Schweinekoppel, während der eine Hufe stutzte und der andere das jeweilige Schwein kraulte.

Genau dafür liebe ich das Waldviertel - hier sind sogar Akademiker geerdet. Nach nicht einmal 15 Minuten war alles ohne Stress für irgend eine Sau, den Herrn Doktor und mich eingeschlossen, vorbei.

Selbst Doc Mc Gyver hatte sich das nicht so einfach vorgestellt und war ob der Zutraulichkeit unserer Kune Kune-Schweine dann doch ziemlich angetan. Ich glaub ja immer noch, dass er die Edermühle als eine Art soziales Projekt ganz nach dem Motto „Städter in die Natur auswildern - der Umwelt zu Liebe“ ansieht.

Das haben Tierärzte im Waldviertel aber anscheinend so an sich, denn als es um die Rettung unseres Hundes Piccolo ging, engagierte sich die Familie Dourakas mit ihrer Tierarztpraxis „DuoVet“ in Schweiggers enorm, aber das ist eine andere Geschichte.

Tierärzte im Waldviertel - YOU ROCK! Wega der Anerkennung warats gwesen…

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