Christian Polito über Probleme mit neuen Herausforderungen im Waldviertel.


Wega Weihnachten warats gwesen

Vor vier Tagen hatt ma a Weihnachtswunder in der Edermühle. A unbefleckte Empfängnis – kein Schmäh, eher ein Mäh. Da liegt doch tatsächlich a neugeborenes Lamm auf der Weide. An sich nix Bsonderes, aber unser Bock kam erst vor vier Wochen – also ein Wunder. Eigentlich wollt ma den Bock kurzerhand von Enrico auf Joseph und die Mutter auf Maria taufn, aber im Endeffekt hätt des gheißen, des wir dann zu Ostern den kleinen Jesus schlachten.

Des wiederum hätt bestimmt an Aufstand im Dorf gebn. Und Weihnachten soll ja friedlich sein. Ja, des „friedliche Miteinander“ an Weihnachten. Super Gschicht, keine Frage, aber was is eigentlich mit den Anderen? Die, mit denen ma so gar ned kann, weißt eh. Des können im besten Fall nur der Sepp ausm nächsten Ort oder auch Leut, die ma persönlich gar ned kennt, sein. Im blödsten Fall sinds aber Verwandte, der Nachbar oder gar die Schwiegerleut, die am End aufm eigenen Hof wohnen.

Wie wärs statt einem geheucheltem „friedlichen Miteinader“ mit einem ehrlichen und „friedlichen Auseinander“? Gell da schaugst, des is amoi was ganz was Neues, na eigentlich ned, denn wer kennt den Spruch „Leben und leben lassen“ ned… I mein des vollkommen ernst. Warum sollt ma mit Menschen Zeit verbringen und ihnen schön redn, wenn ma sie einfach ned mag oder ma einfach von ihnen ned gemocht wird?

Des heißt im Umkehrschluss nämlich ned zwingend, dass ma schlecht über sie redn, sie schneidn oder hassn muss – ganz und gar ned. Dass ma sich ned riechn kann, des hats scho immer gebn und meist resultiert des daraus, das ma unterschiedliche Ansichten und Lebenseinstellungen hat.

Jetzt gibt’s ja nur drei Möglichkeiten:
1. I änder meine Lebenseinstellung
2. Der andere akzeptiert meine Lebenseinstellung
3. Ma geht getrennte Wege

Punkt drei is entgegen weitläufiger Meinung aber überhaupt nix Schlimmes oder gar Verwerfliches, einzig und allein die Art und Weise der getrennten Wege kann schlimm oder gar verwerflich sein.

Bei einem „friedlichen Auseinander“ grüßt ma sich höflich und lässt sich gegenseitig einfach sein, ohne den Anderen als Feind zu sehn – ned mehr und ned weniger, also doch im Prinzip gar ned so schwer, oder?

Also liebe Leut, versuchts ned immer in Schwarz und Weiß zu denken, in gut und böse, in ganz oder gar ned, versuchts es zu gegebenen Anlässen einfach mal mit nem friedlichen Auseinander – wega Weihnachten warats gwesen…

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