Christian Polito über Steffis Rasentraktor


Falsche Eindrücke

Jetzt is des ja so, dass man manchmal meint, was zu sehen, das aber ganz anders is als des, was man meint, gesehen zu haben.

Letztens haben zum Beispiel ganz viel Leute gsehn, wie ich alter weißer Mann meine unterdrückte und Gender Pay Gap geschundene Frau bei Wind und Regen auf mein neues Männerspielzeug, einen Rasentraktor, gezwungen habe und im geschützten Auto bis nach Harmanschlag gscheucht hab, während klassische Musik aus dem Auto tönte.

Bevor unsere Feministinnen da draußen jetzt vor lauter Schnappatmung gleich den nächsten antipatriarchalischen Sitzkreis bilden wollen - es is ja eh ganz anders gwesen!

Steffi hat sich zum Vierziger einen Rasentraktor gwünscht – ja des gibts und ja, ich find des auch geil.

Zum Service-Check sollten wir zum Hans nach Harmanschlag und Steffi hat mir unmissverständlich klar gmacht, dass die Jungfernfahrt ganz allein ihr zusteht und sie dabei gepflegt drauf pfeift, was für ein Wetter is, weil sie ja nicht aus Zucker is.

Naja und so musste ich mich als Begleitfahrzeug zufrieden geben, das einen argwöhnischen Blick nach dem anderen kassierte, während meine Frau eine Mordsgaudi auf ihrem neuen Gefährt hatte.

Zufällig lief dann auf Ö3 ein klassisches Musikstück aus einem Hollywoodfilm, und um das Bild perfekt zu machen überlegte ich kurzzeitig, immer mal wieder ein "Jetzt stell dich nicht so an und fahr schneller Weib!" aus dem Fenster zu rufen – man will ja schließlich authentisch sein. Ich habs dann aber gelassen, weil man ja nicht immer gleich übertreiben muss. Jedenfalls is Steffis neues Spielzeug hoffentlich bald wieder in einem Top-Zustand und sie kann den ersten Rasen in der Edermühle mähen.

Ach ja, eine Schneefräse hat sie auch noch bekommen und ich freue mich schon auf die Gesichter, wenn meine Frau sich auf der Ausfahrt austobt. Gelegentlich werd ich "Das muss schneller gehen, Weib!" aus dem Büro schrein - wega den falschen Eindrücken warats gwesen…

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