Christian Polito über Schlimmeres


Der Kieselgur

Jetzt is des ja so, dass Steffi und ich 24 Stunden am Tag aufeinander hocken. Wen wunderts also, dass da auch mal kracht - so erst heute geschehen. Wir haben den Hühnerstall zusammen ausgemistet und ich musste kurzfristig weg. Das Ausmisten war schon erledigt, es fehlte nur noch der Kieselgur. Das ist ein feines weißes Pulver – nein lieber Großstadtjuppi, nicht zum Schnupfen – welches Milben und Hühnerflöhen vorbeugt.

Ich sag Steffi noch, dass sie zur Not einfach warten soll bis ich wieder da bin – ja ich glaubs ja selbst kaum, aber es gibt tatsächlich ein paar letzte Dinge, wo ich mich besser auskenn als meine Frau. Als ich zurück komm, staun ich nicht schlecht: Der Stall schaut aus wie nach einer Koksparty für Minderbemittelte, die des Zeug ned gschnupft sondern gschmissen haben - alles weiß, ALLES!

Steffi hat anstelle von 250 Gramm satte 5 Kilo im Stall verteilt - FÜNF KILO!

Des wär so, als ob ich zum Nachbarn auf zwei Bier geh und knall mir 40 rein, verstehst! Anstatt verständnisvoll zu sein, war ich dann halt recht grantig bzw. deppert, weil simma uns ehrlich - es gibt Schlimmeres. Es hätte ja zum Beispiel eine Gruppe Investmentbanker die Edermühle überfallen können und im Hühnerstall tatsächlich eine Koksparty… meine Fantasie ist einfach zu ausgeprägt. Wurscht.

Weil ich dann eben deppert war, wollte ich auch nicht beim Füttern helfen – der kleine Christian möchte bitte aus dem Spielparadies abgeholt werden. Als ich dann so grantelnd wie der Grinch persönlich aus meinem Bällebad, ich meine natürlich mein Büro schau, seh ich, wie Steffi die Schafe füttert. Die trotten ihr alle wie selbstverständlich nach, die Situation wirkt einfach idyllisch und wie gemalt.

In diesem kleinen Moment ist der ganze Grant verflogen. Ich bin einfach froh, meine Steffi gefunden und an meiner Seite zu haben. Man(n) sollte sich einfach nicht so schnell aufregen - wega Schlimmerem warats gwesen…

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