Christian Polito über Zuagroaste, winterliche Nöte – und Missverständnisse


Krimineller Riesel

Wer die Edermühle kennt weiß, dass wir eine eher rustikale Variante einer Auffahrt besitzen. Ja mei, für eine beheizte geteerte langts Geld halt einfach nicht. Lach ned, sowas gibts wirklich - Klimawandel wir kommen!

Wurscht. Jedenfalls hab ich mich mit dem Kollegen eines Spetzls von der Straßenmeisterei Weitra getroffen, der mir mit zwei Kübeln Riesel ausgholfen hat - genau deswegen mag ich das Landleben, weil die Hilfsbereitschaft im Allgemeinen doch enorm is. Ich hab dann noch verstanden ghabt, dass, wenn es noch mal einen Notfall gibt, der Rieselvorrat ein paar hundert Meter weiter bei zwei Silos sei.

Zuverlässig ist der Notfall nach zwei Tagen da. Ich fahr nach Weitra und mach gemütlich auf dem Grundstück der Straßenmeisterei zwei Kübel mit Riesel voll, als ein Auto kommt. Der Herr fragt, was ich da mach. „Ich hab einen Riesel gebraucht“, sag ich.

"Das nennt man dann Diebstahl, glaub ich", sagt er todernst und ohne mit der Wimper zu zucken. Jetzt is des als Zuagroaster Halbdeutscher - mia san Bayern ze fix - ja eh schon nicht immer leicht, wennst dann allerdings im Verdacht stehst, die örtliche Straßenmeisterei auszurauben, weilst zu deppert zum richtig Hinhören bist, dann bist am Oasch. Ich mach mir fast ins Hoserl und kann den Herren, der sich im Nachhinein idealerweise auch noch als Chef entpuppt, davon überzeugen, dass es sich um ein Missverständnis handelt.

Ich mein, wer ist schon so fetzendeppert und stellt sich am helllichten Tag mit dem beschrifteten Firmenfahrzeug an die Hauptstraße, um einen öffentlichen Betrieb um zwei Kübel Riesel im Wert von einem Euro zu bestehlen - ja gut, offensichtlich ich.

Kannst alles ned erfinden, aber ich hoffe, diese Kolumne erreicht die Straßenmeisterei und wird als das verstanden, was sie ist - eine hoch offizielle Entschuldigung. Wega den Missverständnissen warats gwesen…

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