Im Geld schwimmen

Die letzten zwei Jahre sind Steffi und ich immer in die Lainsitz, um uns bei sommerlichen Höchsttemperaturen zu erfrischen. Bei Steffi sah das ja noch ganz nett aus, bei mir eher wie bei einem gestrandeten Wal, weil die Lainsitz nicht wirklich tief ist. Geschrien hab ich dabei auch immer noch wie ein Mädchen, was meinem Ego einen zusätzlichen Schlag versetzte.

Keine Ahnung wie das diese Finnen beim Eisbaden machen – entweder haben die alle ganz hohe Stimmen oder Zupferl, die anatomisch nicht den Unseren gleichen. Wurscht.

In den Forellenteich hatten wir uns nie getraut, weil wer weiß, was neben den blutrünstigen Forellen noch so rumschwimmt – die Bilder vom weißen Hai sind viele aus unserer Generation nimma losgworden. Einen Pool hatten wir uns überlegt, aber das war finanziell nicht drinnen, weswegen ich mal nach Schwimmteichen gegoogelt habe. Da muss nix gfliest werden etc. Ja bist du deppert! Da bist pro qm Wasserfläche mit durchschnittlich 150 Euro dabei!

Moment. 150 Euro pro qm Wasserfläche? Unser Forellenteich hat ca. 800 qm Wasserfläche…

"Steffiiiii! Wir sind reich! Wir gehen jetzt schwimmen!"

Bei einer Hausnummer von 120.000 Euro zeig ich dem depperten Hai, wo der Frosch die Locken hat, verstehst. Naja gut, wir hatten gerade Besuch aus München und den hab ich natürlich vorgschickt – wär ja blöd, wennst grad erfährst, n Haufen Kohle zu haben und dann kommt so ein blöder Hai daher und du hast nix mehr davon. Als unsere Köder, pardon, ich meine unser Besuch unversehrt die ersten Runden drehte, packte es zuerst mich und dann auch Steffi. Ein eleganter Köpfler meinserseits und eine Arschbombe von Steffi – ja wirklich wahr – und wir waren das erste Mal in unserem unbemerkten Reichtum. Ein Traum!

Ich weiß nicht, wann wir das letzte Mal so viel und vor allem in völliger Ruhe geschwommen sind. Das Wasser war nicht zu warm und nicht zu kalt, die Forellen schwammen uns aus dem Weg, weit und breit war auch kein Hai zu sehen. Ein paar Tage später, unsere Gäste waren bereits abgereist, packte mich die Glückseligkeit sogar so sehr, dass ich unbedingt Nacktbaden wollte.

"FKK im Waldviertel!" Was für ein reißender Artikel das doch für die NÖN gewesen wäre. Also Hosen runter, rein ins kühle Nass! Die ersten Schwimmzüge waren super, so herrlich frei, aber dann überkam mich ein beklemmendes Gefühl, ich schwamm schnell zurück ans Ufer. Das Beklemmende?

Naja, Forellen sind Raubfische. Mit so einer Schlagzeile will ich nun wirklich ned in die NÖN – wega dem Zupferl und den blutrünstigen Forellen warats gwesen…

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